Dem Einzelhandel geht es gut. Foto: Frank Leonhardt / Archiv
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dpa

Dem Einzelhandel geht es gut. Foto: Frank Leonhardt / Archiv

Berlin/Wiesbaden (dpa) - Der robuste deutsche Arbeitsmarkt hat die Verbraucherstimmung beflügelt und dem Einzelhandel 2011 ein Rekordplus beschert. Auch im laufenden Jahr sieht sich die Branche im Aufwind.

«Der Handel zeigt sich weiterhin robust», sagte Stefan Genth, der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland, am Dienstag in Berlin.

Die Branche rechnet 2012 mit einem Wachstum von 1,5 Prozent auf 420,6 Milliarden Euro, auch real sei ein halbes Prozent Plus möglich: «Dies würde immerhin bedeuten, dass der Einzelhandel seinen Umsatz preisbereinigt im dritten Jahr nacheinander steigern könnte», betonte Genth.

Positiv werden sich nach der Prognose der weitere Rückgang der Arbeitslosenzahlen und der langsamere Preisauftrieb auswirken. Das größte Risiko sieht der HDE in der ungelösten Staatsschuldenkrise: «Eine Verschärfung der Krise könnte die Verbraucher verunsichern und damit dem Konsum erheblich schaden.» Im Moment deute aber mehr darauf hin, dass sich der private Konsum erneut positiv entwickelt und einen Beitrag zur Stabilität der deutschen Volkswirtschaft leistet.

Die Zuversicht im Handel mit seinen rund drei Millionen Beschäftigten kommt nicht von ungefähr. 2011 sorgte die Kauflaune der Bundesbürger für Spitzenumsätze. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes legte die Branche trotz des schwachen Weihnachtsgeschäfts so stark zu wie seit 1994 nicht mehr. Nach einem nominalen Umsatzplus von 2,5 Prozent im Vorjahr kletterten die Erlöse nochmals um 2,6 Prozent. Bereinigt um Preiserhöhungen lag das Plus im vergangenen Jahr bei 0,9 Prozent nach 1,4 Prozent zuvor.

Auch der Einzelhandel «im engeren Sinne», also ohne Tankstellen, Apotheken und den Brennstoffhandel schloss 2011 nach Genths Angaben mit einem Plus von 2,4 Prozent ab. Berücksichtige man die Preissteigerung, bleibe ein Zuwachs von 1,2 Prozent. «Steigende Einkommen und die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt haben den Konsum beflügelt», sagte Genth. Von einem «Konsumrausch» könne allerdings nicht die Rede sein.

Wachstumstreiber war einmal mehr der Internethandel, der 10 Prozent mehr umsetzte als im Vorjahr. Dieser Trend werde sich fortsetzen, prognostizierte Genth: «Dafür sorgt allein schon die große Verbreitung internetfähiger Smartphones und Tablet-PCs. 2012 wird der Umsatz des Online-Handels bei 29,5 Milliarden Euro liegen. Das ist im Vergleich zum Vorjahr erneut eine deutliche Steigerung um 13 Prozent.» Der Fachbuchhandel spüre diese Konkurrenz zunehmend. Insgesamt gebe es im Einzelhandel aber keine «Kannibalisierung» durch das Netz.

In den vergangenen Jahren hätten sich die Kunden besonders mit langlebigen Gütern wie Möbeln eingedeckt, die sie sich im Krisenjahr 2009 gespart hätten, sagte Genth. Diese Nachholeffekte ließen jetzt nach. Dafür sei die Stimmung im Textileinzelhandel gut. Das Weihnachtsgeschäft sei wegen des milden Winters leicht hinter den Erwartungen zurück geblieben.

Nach den vorläufigen Zahlen des Bundesamtes setzte der deutsche Einzelhandel im Dezember 2011 kalender- und saisonbereinigt nominal 1,7 Prozent und real 1,4 Prozent weniger um als im November. «Die Zahlen enttäuschten umso mehr als die verfügbaren Einkommen derzeit deutlich steigen und die gute Lage am Arbeitsmarkt weiterhin gut ist», urteilte Commerzbank-Ökonomin Ulrike Rondorf.

Damit hätten die Umsätze im Einzelhandel im Durchschnitt des vierten Quartals 0,7 Prozent unter den Umsätzen im dritten Quartal gelegen, erklärte Rondorf. Dennoch werde der private Konsum die deutsche Wirtschaft weiter stützten, schließlich fließe nicht einmal mehr ein Viertel des gesamten privaten Konsums in den Einzelhandel, sagte Rondorf: «Die spürbar gestiegene Beschäftigung und ordentliche Lohnzuwächse dürften dafür sorgen, dass der private Konsum die deutsche Wirtschaft 2012 mit einem geschätzten Wachstum von 1,25 Prozent stabilisieren wird.»

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