Die Epoche billiger Lebensmittel geht zu Ende: Die Branche stimmt ihre Kunden auf steigende Preise ein.

Butter deutlich teurer
$caption

$caption

David Ebener

Berlin. Bauern und Ernährungsindustrie haben die Zeit stabiler Preise für beendet erklärt. Von „spürbaren Preissteigerungen“ in den kommenden Monaten sprachen am Mittwoch in Berlin Bauernverbandspräsident Gerd Sonnleitner und Jürgen Abraham, Vorsitzender der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE). „Wir haben seit Jahren stabile Preise“, sagte Abraham. Rohstoffe wie Weizen, Mais oder Zucker hätten sich aber extrem verteuert.

Keine extremen Niedrigpreise mehr – auch nicht beim Discounter

Seit Mai 2010 hätten Agrarrohstoffe um 40 Prozent zugelegt. „Das kann die Industrie nicht wegstecken, irgendwann müssen wir das an die Verbraucher weitergeben.“

Bauernpräsident Sonnleitner sagte: „Die Zeiten, als Milch, Butter, Eier oder Fleisch eine Inflationsbremse waren, sind vorüber, auch die Zeit der extremen Niedrigpreise beim Discounter.“ Die Lebensmittelpreise würden sich jedoch „im Rahmen der allgemeinen Teuerungsrate entwickeln“.

Börsenspekulanten treiben Preise auf dem Weltmarkt hoch

Die anspringende Konjunktur, Börsenspekulationen, explodierende Energiekosten und Dürreperioden seien die Preistreiber, sagte Sonnleitner. Dadurch habe sich etwa der Preis für Reis auf dem Weltmarkt im Jahr 2010 verdoppelt. Langfristig würden die Lebensmittelpreise vor allem aufgrund weltweit steigender Nachfrage anziehen.

Aber auch die Branche selbst will von Preiserhöhungen profitieren: Sie erwartet 2011 ein Umsatzplus von zwei bis 2,5 Prozent.

Preise für Tomaten stiegen im Dezember um 52 Prozent

Die globale Welternährungskrise hat Anleger in Verruf gebracht, die auf steigende Preise von Nahrungsmitteln wie Weizen, Reis, Mais und Zucker wetten. Sie heizen damit die Preissteigerungen erheblich an.

Bereits im Dezember wurden Tomaten um durchschnittlich 52 % teurer; Paprika 41,4 %; Blumenkohl 37,7 %; Gurken 31,2 %; Nüsse und Backzutaten 31 %; Salat 28,5 %.

Bereits Ende 2010 waren verschiedene Lebensmittel drastisch teurer geworden, wie Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen. So mussten die Verbraucher im Dezember 52 Prozent mehr für Tomaten bezahlen als im Monat zuvor, Kartoffeln verteuerten sich um 27 Prozent.

Diesen Trend spiegelt auch die Inflationsentwicklung: Ohne Berücksichtigung der Energieprodukte lag die allgemeine Preissteigerung im Dezember gegenüber dem Vormonat bei 1,0 Prozent, die Lebensmittelpreise stiegen aber um 3,6 Prozent.

Leserkommentare (1)


() Registrierte Nutzer