Laufsteg: Zwei Messen starten in dieser Woche unter verschiedenen Vorzeichen.

Sandy Meyer-Wölden (l.), Ex-Freundin von Boris Becker, zeigt am Samstag bei der Auftaktparty in Düsseldorf Mode von Escada-Gründer Wolfgang Ley. Top-Model Julia Stegner ist das Gesicht der Berliner Fashion Week.

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Düsseldorf. Die Augen der Modewelt richten sich auf Berlin: Top-Model Julia Stegner wirbt für die Fashion Week, bei der sich ab Mittwoch Stars und Sternchen auf den roten Teppichen der Hauptstadt tummeln. Mit einem Paukenschlag meldet sich dort auch Karl-Heinz Müller, Erfinder der Modemesse Bread&Butter, zurück. Er verkündet heute, mit welchem Konzept die erfolgreiche Messe für Streetfashion nach ihrem Intermezzo in Barcelona im Sommer nach Berlin zurückkehrt. Das Blitzlichtgewitter an der Spree ist garantiert.

Und Düsseldorf? Da starten am Sonntag die Igedo Fashion Fairs - doch um das Blitzlichtgewitter muss die einstige Modehauptstadt hart kämpfen. Von Krisenstimmung will Igedo-Sprecher Thomas Kötter trotz der starken Konkurrenz aus Berlin nicht sprechen. "Die Rückkehr der Bread&Butter nach Berlin trifft uns kaum. Das junge Segment haben wir bei uns vorerst sowieso auf Eis gelegt." Dennoch ist sich Kötter bewusst: "Die Diskussion um die Modehauptstadt in Deutschland wird wieder aufbranden."

Sinkende Aussteller- und Besucherzahlen machen den Igedo Fashion Fairs seit Jahren zu schaffen. Ein Ausflug in die junge Mode erwies sich als dicker Flop, auch die Herrenmode ist in Düsseldorf nie richtig angekommen. Selbst die einst erfolgreiche Dessous- und Bademodenmesse Bodylook läuft aufgrund mangelnder Nachfrage nur noch einmal pro Jahr in Düsseldorf. Und statt aufs Messegelände zu gehen, haben viele Modemarken ihre eigenen Showrooms in Düsseldorf.

Ende des Jahres zogen die Gesellschafter die Notbremse. Seit Januar führt Philipp Kronen, Enkel des Firmengründers, als geschäftsführender Gesellschafter die Messe. Ein "Weiter so!" werde es mit ihm nicht geben, erklärte er bei seinem ersten öffentlichen Auftritt Mitte Januar. Sonst sei die Messe irgendwann verschwunden und keiner habe es gemerkt. Mit neuen Konzepten will Düsseldorf Berlin Paroli bieten. Details dazu gibt es noch nicht, doch soll möglichst ein Sponsor gefunden werden - ähnlich wie in Berlin. "Aber wir wollen Berlin nicht kopieren", betont Kötter.

Vielmehr gehe es darum, Düsseldorfs Stärken herauszuarbeiten: Die Dichte der Modemarken in der Stadt, die Entdeckung junger Designer und die starke Avantgarde-Szene. Und: "Auch wenn Berlin mehr Aufmerksamkeit bekommt, das Geschäft wird in Düsseldorf gemacht - immer noch." Das bestätigt auch Thomas Rasch, Geschäftsführer des Modeverbandes Germanfashion: "In Berlin findet die Show statt, nicht das Geschäft." Der gesamte Standort Düsseldorf sei nach wie vor sehr stark, nur die Igedo Fashion Fairs nicht. Doch Rasch ist zuversichtlich, dass die Wende geschafft werden kann. Düsseldorf stehe für das umsatzstarke mittlere Segment, Berlin lediglich für kleine Sparten mit hohem Aufmerksamkeitsgrad.

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