Ägypten-Reisen abgesagt - Aber keine Rückholaktion

Berlin (dpa) - Die großen deutschen Reiseveranstalter werden bis Mitte Februar keine Urlauber mehr nach Ägypten bringen. Die Reiseverträge werden von den meisten Anbietern aktiv gekündigt, wie der Deutsche Reiseverband (DRV) am Dienstag mitteilte. Das bedeutet, dass Abflüge gestrichen werden und betroffene Urlauber ihr Geld zurückbekommen. Wollen sie stattdessen andernorts Urlaub machen, müssen sie neu buchen. An eine Evakuierung aller deutschen Touristen, die sich derzeit in Ägypten aufhalten, ist aber weiter nicht gedacht. Mit der Entscheidung reagiert die Reisebranche auf die erneute Verschärfung der Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes. Das Ministerium rät wegen der anhaltenden Unruhen dringend von Reisen nach ganz Ägypten ab.

Winter legt Jobaufschwung auf Eis

Nürnberg (dpa) - Der harte Winter hat den Jobaufschwung vorübergehend auf Eis gelegt und die Zahl der Arbeitslosen zum Jahresbeginn auf deutlich über drei Millionen steigen lassen. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) waren im Januar 3,347 Millionen Menschen ohne Arbeit; dies waren 331 000 mehr als im Dezember, aber 270 000 weniger als vor einem Jahr. Damit verzeichnete die BA die niedrigste Januar-Arbeitslosigkeit seit 19 Jahren. Die Arbeitslosenquote nahm um 0,7 Punkte auf 7,9 Prozent zu. Vor einem Jahr hatte sie noch bei 8,6 Prozent gelegen.

Arbeitslosenquote in Euro-Ländern und EU stabil

Luxemburg (dpa) - In den Euro-Ländern liegt die Arbeitslosigkeit nach wie vor bei zehn Prozent. Wie die europäische Statistikbehörde Eurostat am Dienstag mitteilte, betrug die Quote im Dezember 2010 wie bereits im Vormonat 10,0 Prozent. Auch in den 27 EU-Mitgliedsländern blieb die Arbeitslosenquote mit 9,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat November stabil. In den Niederlanden (4,3 Prozent) und in Luxemburg (4,9 Prozent) sieht die Lage am Arbeitsmarkt am besten aus. Die höchsten Arbeitslosenquoten haben Spanien (20,2 Prozent) sowie mit jeweils 18,3 Prozent Litauen und Lettland. Mehr als 23 Millionen Menschen in der EU hatten nach Schätzungen von Eurostat im Dezember keine Arbeit, davon fast 16 Millionen im Euroraum.

BP wegen Ölkatastrophe mit fast 5 Milliarden Dollar Verlust

London (dpa) - Der britische Energiekonzern BP hat 2010 wegen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko fast 5 Milliarden Dollar Verlust gemacht. Erstmals seit 1992 ist der Ölriese damit in einem vollen Geschäftsjahr in die roten Zahlen gerutscht. Unter dem Strich stand ein Minus von 4,9 Milliarden Dollar (3,6 Mrd Euro), wie BP am Dienstag berichtete. 2009 hatte BP noch 13,96 Milliarden Dollar Gewinn verbucht. «2010 wird zurecht als Jahr des tragischen Unfalls und des ausgelaufenen Öls in Erinnerung bleiben», sagte Konzernchef Bob Dudley. Er kündigte für 2011 «ein Jahr der Erholung und der Konsolidierung» an.

Preis für Brent-Öl hält sich über 100 Dollar

New York/London/Wien (dpa) - Die Ölpreise haben sich am Dienstag trotz eines leichten Rückgangs auf hohem Niveau gehalten. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im März kostete gegen Mittag 100,54 Dollar. Das waren 47 Cent weniger als am Montag. Zu Wochenbeginn war der Brent-Preis erstmals seit 28 Monaten über die Marke von 100 Dollar geklettert. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) sank bis zum Mittag um 76 Cent auf 91,43 Dollar. Laut Commerzbank werden die Ölpreise derzeit vor allem durch Ängste vor einer drohenden Angebotsverknappung getrieben. Die politischen Unruhen in Ägypten und Tunesien bergen demnach hohe Ansteckungsgefahren für die Nachbarländer.

DIW-Präsident Zimmermann nimmt seinen Hut

Berlin (dpa) - Nach Kritik an seiner Amtsführung gibt der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, auf. Der 58 Jahre alte Professor wolle «sein Amt bis zur Jahresmitte 2011 zur Verfügung zu stellen», teilte der Kuratoriumsvorsitzende Bert Rürup am Dienstag mit. Über die Nachfolge werde das Kuratorium «in aller Besonnenheit entscheiden». Seit der Berliner Landesrechnungshof Zimmermann vor einem Jahr die Verschwendung von Steuergeldern vorgeworfen hatte, wird über seinen Rückzug spekuliert. Mehrere Wissenschaftler verließen das DIW in den vergangenen Monaten, zuletzt ging Geschäftsführer Hanns Seidler vorzeitig. Als Niederlage für Zimmermann galt, dass das Institut seit 2007 nicht mehr am halbjährlichen Konjunktur-Gemeinschaftsgutachten für die Bundesregierung beteiligt wurde.

Deutsche Bank macht bei Konzernumbau Tempo

Frankfurt/Main (dpa) - Sein ehrgeiziges Gewinnziel vor Augen hat Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann noch 2010 reinen Tisch gemacht. Analysten zeigten sich am Dienstag überzeugt: Der Dax- Konzern verbuchte möglichst viele Belastungen noch im alten Jahr, um 2011 den angestrebten operativen Vorsteuergewinn von zehn Milliarden Euro erreichen zu können. Die Lasten der jüngsten Zukäufe - Sal. Oppenheim und Postbank - schmälerten den Gewinn des vierten Quartals erheblich. Nach vorläufigen Zahlen brach der Überschuss von Oktober bis Ende Dezember im Vergleich zum Vorjahresquartal von 1,3 Milliarden auf rund 600 Millionen Euro ein.

Infineon hebt Prognose nach starkem Quartal an

München (dpa) - Der Halbleiterhersteller Infineon hat nach einem unerwartet starken ersten Quartal seine Umsatzprognose für das Geschäftsjahr 2010/11 angehoben. «Wir gehen davon aus, schneller als der Markt wachsen zu können, und erwarten ein weiteres Quartal mit Umsatzwachstum», sagte Vorstandschef Peter Bauer am Dienstag. Infineon rechnet nun mit einem Erlöswachstum um 15 Prozent. Bisher war das Dax-Unternehmen von einem Plus von bis zu 10 Prozent ausgegangen. Dabei dürfte es bei den Auto- und Industriechips besser laufen als bei den Sicherheitschips. Von den guten Zahlen profitieren auch die Mitarbeiter in Deutschland: Infineon zieht die vereinbarte Tariferhöhung um zwei Monate vor.

Deichmann will Schuhpreise stabil halten

Essen (dpa) - Europas größter Schuheinzelhändler Deichmann will den Konkurrenzkampf im deutschen Handel verschärfen und steigende Einkaufspreise nicht an seine Kunden weitergeben. Vor allem durch steigende Rohstoffpreise und höhere Löhne in wichtigen Lieferländern wie China seien die Einkaufspreise im Einzelhandel unter Druck geraten, sagte Firmenchef Heinrich Deichmann am Dienstag. Auf die sinkenden Margen werde das Familienunternehmen mit Kosteneinsparungen und steigenden Umsätzen reagieren. 2010 hatte Deichmann seinen Umsatz um 12,5 Prozent auf 3,93 Milliarden Euro steigern können. Ohne Neueröffnungen ergab sich ein Umsatzplus von sechs Prozent. Das Ergebnis habe sich «sehr erfreulich» entwickelt, sagte Deichmann. Nähere Angaben machte der Chef des Familienunternehmens nicht.

Dax wieder auf Kurs Richtung Jahreshoch

Frankfurt/Main (dpa) - Der Dax hat am Dienstag wieder Kurs auf sein Jahreshoch genommen. Anhaltende Unsicherheiten um die politische Lage im Nahen Osten schüttelte der Aktienmarkt dank freundlicher Vorgaben und positiv aufgenommener Zahlen von Deutscher Bank und Infineon ab. Der Leitindex kletterte bis zum Nachmittag um 0,97 Prozent auf 7146 Punkte. Mit 7180 Punkten hatte er in der Vorwoche den höchsten Stand seit Mai 2008 erklommen. Für den MDax ging es um 0,80 Prozent auf 10 221 Punkte nach oben, der TecDax stieg um 0,71 Prozent auf 874 Punkte. Am Rentenmarkt stieg die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 2,89 (Vortag: 2,87) Prozent.

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