EU will deutsche Staatshilfen unter die Lupe nehmen. Der Magna-Chef stimmt Mitarbeiter auf harte Zeiten ein.

Auf die Opel-Mitarbeiter kommen weiterhin harte Zeiten zu.
Auf die Opel-Mitarbeiter kommen weiterhin harte Zeiten zu.

Auf die Opel-Mitarbeiter kommen weiterhin harte Zeiten zu.

dpa

Auf die Opel-Mitarbeiter kommen weiterhin harte Zeiten zu.

Frankfurt. Die schöne neue Opel-Welt scheint greifbar nah - doch der Weg dorthin wird steinig sein. Der Opel- Betriebsrat verspricht im Kampf gegen Werkschließungen und Kündigungen knallharte Verhandlungen mit dem designierten Mehrheitseigentümer Magna.

Und bei den Milliardenhilfen bewegt sich Deutschland auf dünnem Eis: Die belgische Regierung verlangt eine Untersuchung über möglichen Protektionismus in Deutschland. Schließlich ist das Opel-Werk in Antwerpen gefährdet, während Bochum und Eisenach dank deutscher Hilfe nicht zur Disposition stehen.

Branchenexperten sehen weiterhin ein Insolvenzrisiko

Auch die EU-Kommission pocht darauf, dass bei der Gewährung von Staatshilfen kein Standort diskriminiert wird. Andernfalls könnte die Behörde die deutschen Milliarden als unerlaubte Beihilfen ablehnen. Doch damit nicht genug: Der von Magna zum Heilsbringer für Opel auserkorene russische Automarkt wird von einem drastischen Absatzeinbruch heimgesucht.

Schon warnen Branchenexperten wie Wolfgang Meinig: "Das Thema Insolvenz wird uns in den nächsten Jahren jeden Tag begleiten." Selbst bei Magna ist wenig Euphorie zu spüren. Eigentümer Frank Stronach dämpft überzogene Erwartungen: "Opel hat schon lange keinen Profit mehr gemacht und die Wirtschaft ist zurzeit auch nicht so blühend. Es wird für alle Beteiligten ein harter Weg werden. Wir sind sicher erst am Anfang."

Die Österreicher wissen, dass in der Modellpolitik bei Opel einiges schiefgelaufen ist und Entwicklungen verschlafen wurden. Wie knüppeldick es für die Opelaner noch kommen wird, steht in den Sternen. Denn zu den Restrukturierungsplänen im Detail lässt Magna bislang nicht die Katze aus dem Sack.

Ausgerechnet der Vertreter der Bundesregierung in der Opel-Treuhand, Manfred Wennemer, ist schärfster Kritiker des für New Opel Konzepts. "Ich frage mich, wie ein solches Unternehmen überleben will", sagte der frühere Conti-Chef und stimmte im Treuhand-Beirat als einziger gegen die Pläne.

Wennemers "Nein" und die Enthaltung des Vertreters der Bundesländer, des Insolvenzexperten Dirk Pfeil, wiegen schwer. Denn sie sollten die Interessen der Steuerzahler in der Treuhand vertreten. Und für diese findet Wennemer den Deal schlecht: "Das gesamte Risiko liegt auf den Schultern der Steuerzahler." Magna gehe nur mit zehn Prozent Eigenkapital rein.

"Die verlieren Milliarden pro Jahr, das kriegen sie nicht einfach so schnell weg", sagte Wennemer. "Wenn sie alle ihre Pläne erreichen, werden sie 2010 überschuldet sein und zum Konkursrichter gehen müssen." Ihm fehlt ein harter Schnitt bei den Lohnkosten. Die Jahres-Produktion sei zudem zu niedrig.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) findet die Kritik "nicht nachvollziehbar". Es handele sich um eine "gute und wirtschaftlich tragfähige Lösung", ließ sie mitteilen.

Bekannt ist bisher, dass 3.000 Stellen in Deutschland und insgesamt fast jeder fünfte der 54.000 Jobs in Europa auf Magnas Streichliste stehen. Geschlossen werden soll das Werk in Antwerpen, auch Luton in England ist bedroht.

Dabei hat Magna, einer der weltgrößten Auto-Zulieferer, derzeit selbst gehörig mit der Krise zu kämpfen. Die jüngsten Quartalszahlen waren tiefrot. Der Vertreter der Bundesländer bei der Opel-Treuhandgesellschaft, Dirk Pfeil, warnte daher, Magna könne bald selbst in Schwierigkeiten geraten: "Wenn (VW-Chef) Winterkorn schon vor Wochen erklärt hat, dass es für ihn schwer wird, Magna-Kunde zu bleiben, wenn Magna Eigentümer eines Wettbewerbers wird und Magna damit in dreistelliger Millionenhöhe Umsätze wegbrechen, dann muss man sich doch ein paar mehr betriebswirtschaftliche Fragen stellen, als das im Moment getan wird."

Noch ist der Vertrag zwischen der bisherigen Opel-Mutter General Motors (GM) und Magna nicht in trockenen Tüchern. Zuvor verlangt GM von den Arbeitnehmervertretungen nämlich eine schriftliche Bestätigung, dass sie die Vereinbarung "mit den notwendigen Kostenanpassungen unterstützen".

Der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel fordert, dass der unterschriftsreife Vertrag noch vor der Bundestagswahl am 27. September vorgelegt wird. GM strebt einen Vertragsabschluss bis Ende November an - und ein schneller Abschluss dürfte nicht nur im Interesse der Mitarbeiter sein. Auch Magna muss sich sputen. Denn im Moment macht Opel jeden Monat 100 Millionen Euro Verlust, sagte Opel-Aufsichtsratschef Carl-Peter Forster der "Wirtschaftswoche".

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