Infineon-Chef Peter Bauer plädiert im Gespräch mit der WZ für bessere Verteilung der Gelder.

wza_856x1228_584239.jpeg
Infineon-Chef Bauer lässt nicht mehr kurzarbeiten.

Infineon-Chef Bauer lässt nicht mehr kurzarbeiten.

Schaller

Infineon-Chef Bauer lässt nicht mehr kurzarbeiten.

Düsseldorf. "Wir brauchen in Deutschland ein weltweit vergleichbares Förderungsniveau - wir müssen aufholen". Dieses Postulat stellte Infineon-Vorstandssprecher Peter Bauer im Gespräch mit unserer Zeitung auf. Die neue Bundesregierung müsse sich Gedanken machen, wie sie die circa 11 Milliarden Euro für Forschung, die sie zu vergeben hat, zielführender einsetzt. In Asien seien jedenfalls Milliarden-Subventionen für die Halbleiter-Branche, in der der Dax-Konzern Infineon tätig ist, an der Tagesordnung.

In der Europäischen Union sieht Bauer einen Fürsprecher für seine Forderung. EU-Industriekommissar Günter Verheugen hätte in einem Positionspapier ("White Paper") festgestellt, dass die Halbleiterindustrie für Europa wichtig ist und Bestand haben sollte. Schließlich sei die EU angetreten, den weltweiten Energieverbrauch zu senken. Bauer: "Wir sind die Schlüsselindustrie dafür, um über unsere elektronischen Regelungen für Energieeinsparungen zu sorgen."

Industrielle Forschung spiele in der deutschen Politik offenbar eine Nebenrolle. Bauer: "Im Koalitionsvertrag steht die steuerliche Forschungsförderung nur als vages Ziel." Dabei plädiert der Infineon-Chef nicht für neue Subventionen, sondern für eine "Forschungsförderung durch Steuererleichterungen für Forschung." Eine reine Projektförderung lehne er ab, besser sei ein allgemeiner Anreiz für Forschung in Deutschland.

"Eine Chip-Fabrik ist kein Zeltlager"

Infineon, vor zehn Jahren aus dem Siemens-Konzern ausgegliedert und einer der letzten verbliebenen Chiphersteller in Deutschland, tut sich gegenüber den Asiaten schwer. Bauer: "In Asien gibt es zusätzlich zu geringeren Personalkosten auch stärkere Fördermittel. Da wird es für Deutschland immer schwieriger, die Perspektive zu halten."

Zusätzlich belastet Infineon bei Verkäufen auf dem Weltmarkt der starke Euro. Deutsche Werke kurzfristig nach Asien zu verlagern, ist kein gangbarer Weg. Bauer: "Eine Chip-Fabrik ist kein Zeltlager, das man beliebig irgendwo aufbauen kann." Eine solche Fabrik koste schließlich zwischen 2 bis 3 Milliarden Euro.

Bauer kündigte an, die Halbleiter-Produktion im Werk Regensburg, das zu 80 Prozent für Autozulieferer wie Bosch oder für die Branchen Mobilfunk und Sicherheit fertigt, noch effizienter zu gestalten. Inzwischen sei nach der Krise die Fertigung in Deutschland wieder voll angefahren.

"Wir sind aus der Kurzarbeit vollständig raus", sagte Bauer. Die Umsätze lägen allerdings noch unter Vorjahrsniveau. In Nordrhein-Westfalen beschäftigt Infineon in Warstein und Duisburg rund 1000 - viele davon in der Forschung - seiner weltweit rund 26.000 Mitarbeiter.

Vom Wiederaufschwung der Halbleiterindustrie nach Beendigung der Krise profitiert auch Infineon. Bauer: "Unsere Branche entwickelt sich wieder positiv. Wir bekommen das als mit Abstand größter Hersteller von Chipkarten mit; aber auch als ein führender Zulieferer für die Autoindustrie, Mobilfunkbranche und Industrieelektronik."

An Zukäufe denkt Infineon, obwohl das Geld dazu in der Bilanz da ist, derzeit nicht. Es gebe keine strategische Entscheidung, über Zukäufe oder Zusammenschlüsse weiter zu wachsen. Bauer: "Aber wenn es attraktive Möglichkeiten gibt, dann greifen wir zu."

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer