Stimmung
Frisch gegossene Rohlinge von Türgriffen: Die Stimmung in der Wirtschaft wird immer besser. Der ifo-Geschäftsklimaindex ist zum sechsten Mal in Folge gestiegen.

Frisch gegossene Rohlinge von Türgriffen: Die Stimmung in der Wirtschaft wird immer besser. Der ifo-Geschäftsklimaindex ist zum sechsten Mal in Folge gestiegen.

dpa

Frisch gegossene Rohlinge von Türgriffen: Die Stimmung in der Wirtschaft wird immer besser. Der ifo-Geschäftsklimaindex ist zum sechsten Mal in Folge gestiegen.

München (dpa) - Die deutsche Wirtschaft bleibt im Höhenflug. Die Stimmung in den Unternehmen ist derzeit so gut wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Und erstmals seit Jahren trägt nicht nur der ohnehin starke Export zur Feierlaune bei, auch der Konsum im Inland zieht deutlich an.

Der ifo-Geschäftsklimaindex kletterte im November zum sechsten Mal in Folge auf nun 109,3 Punkte. Von Sorgen angesichts der Schuldenkrise in Irland, Portugal oder Griechenland ist in Deutschland derzeit nichts zu spüren.

«Die deutsche Wirtschaft schraubt sich immer höher», sagte ifo- Chef Hans-Werner Sinn am Mittwoch in München. Der wichtige Konjunkturindikator liegt nicht nur höher als in den Boomjahren 2006 und 2007, sondern erreicht auch den besten Wert seit der ersten gesamtdeutschen Erhebung im Januar 1991. «Das ist eine atemberaubende Entwicklung», sagte UniCredit-Analyst Andreas Rees. «Nach diesen Zahlen ist es schwer, nicht euphorisch zu werden.» Unbeeindruckt von der EU-Schuldenkrise und profitierend von Märkten wie China, könne man die Wachstumslokomotive Deutschland kaum zum Stehen bringen.

Zum Aufwärtstrend trug im November der Einzelhandel kräftig bei. Vor allem der stärkere Konsum im Inland, die Erholung des Arbeitsmarktes und die Aussicht auf Lohnerhöhungen sorgten für wachsenden Optimismus. «Der Einzelhandel war bisher eher Kellerkind, er kommt jetzt mehr auf Touren», sagte ifo- Konjunkturexperte Gernot Nerb.

Überbordende Staatsschulden in Irland, Portugal oder Griechenland und die Diskussion um eine Währungskrise in der Euro-Zone trübten die Erwartungen in der Industrie nur leicht. Die Wirtschaft könne das kompensieren über die erwartete Binnennachfrage, sagte Nerb. Konjunktur-Risiken angesichts der EU-Schuldenkrisen sind nach Einschätzung des Chefvolkswirts der Commerzbank, Jörg Krämer, für Deutschland beherrschbar: «Die Staatengemeinschaft wird strauchelnde Staaten auffangen, um die Risiken zu minimieren.»

Nerb betont, dass die EU-Krisenländer zusammen nur einen sehr kleinen Markt für die deutsche Exportindustrie ausmachten. «Das sind ja nicht gerade die ganz wichtigen Kunden für uns.» Ein schwächerer Euro käme den Exportunternehmen sogar zugute. Dennoch werden die Zuwachsraten beim Export aus Sicht der ifo-Experten nicht im Tempo der vergangenen Monate zunehmen. «Im Export wird man kleinere Brötchen backen». Der Aufschwung gehe weiter, aber etwas verlangsamt.

Im Oktober hatte der ifo-Index noch bei 107,7 Punkten gelegen. Der deutliche Anstieg im November überraschte auch Volkswirte, die überwiegend mit einem Stillstand gerechnet hatten. Der Index des ifo Institutes für Wirtschaftsforschung gilt als wichtigster Frühindikator der deutschen Wirtschaft. Er wird monatlich aus einer Befragung von rund 7000 Firmen aus der Industrie, dem Einzel- und Großhandel sowie der Bauwirtschaft ermittelt.

Im November schätzten die Unternehmen sowohl ihre aktuelle Geschäftslage als auch die Erwartungen für die nächsten sechs Monate besser ein als im Vormonat. Der Lage-Index verbesserte sich von 110,2 Punkten im Oktober auf 112,3 Punkte. Der Erwartungs-Index stieg von 105,2 auf 106,3 Punkte. «Das deutsche Beispiel zeigt, dass sich Sparkurse absolut auszahlen», kommentierte Fachmann Holger Schmieding von der Berenberg Bank die unerwartete Entwicklung in Deutschland.

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