Heinrich Deichmann
Vorstand Heinrich Deichmann

Vorstand Heinrich Deichmann

dpa

Vorstand Heinrich Deichmann

Essen (dpa) - Europas größter Schuheinzelhändler Deichmann verschärft den Preiskampf im Schuhhandel. Trotz steigender Löhne und Rohstoffpreise sollen die Schuh-Preise weiter stabil bleiben. Das auf Billig-Preise spezialisierte Familienunternehmen hofft auf weiter kräftig steigende Umsätze.

Im gesamten Einzelhandel seien die Einkaufspreise unter Druck geraten, dazu hätten so wichtige Lieferländer wie China beigetragen, erklärte der Chef des Familienunternehmens Heinrich Deichmann am Dienstag in Essen. Die höheren Einkaufspreise wolle das Unternehmen aber nicht an die Kunden weitergeben. Deshalb will der Branchenprimus mit Kosteneinsparungen und steigenden Umsätzen gegensteuern.

«Der Boom in China ist so stark, dass den Schuhfabriken die Leute weglaufen», sagte Deichmann. Momentan versuchten die Deichmann- Lieferanten in chinesische Provinzen im Landesinneren auszuweichen, in denen der Arbeitskräftemangel nicht so hoch sei. Mit einem Anteil von über 80 Prozent sei China wichtigster Lieferanten für Deichmann.

Im vergangenen Jahr verkaufte die Gruppe in 19 europäischen Ländern und den USA rund 152 Millionen Paar Schuhe. Der Firmenchef bezifferte den Durchschnittspreis pro in Deutschland verkauftem Paar auf rund 19 Euro. Obwohl ein Trend zu höherwertigen Schuhen zu beobachten sei, bleibe das Geschäft mit günstigen Schuhen das «Fundament».

Im vergangenen Jahr hat Deichmann seinen Umsatz in der Gruppe kräftig um 12,5 Prozent auf 3,93 Milliarden Euro gesteigert, ohne Neueröffnungen lag das Umsatzplus bei sechs Prozent. Damit erzielte das Unternehmen das stärkste Wachstum seit 20 Jahren. Das Ergebnis habe sich «sehr erfreulich» entwickelt, sagte Deichmann. Nähere Angaben zum Ertrag machte er jedoch nicht.

Weltweit betrieb die Gruppe Ende vergangenen Jahres 2939 Filialen und beschäftigte rund 30 000 Mitarbeiter, davon rund 13 000 in Deutschland. Im laufenden Jahr sollen in Deutschland 500 Mitarbeiter neu eingestellt werden, sagte Deichmann. Gleichzeitig habe sich das Unternehmen bereits im vergangenen Jahr entschieden, auf sogenannte «Mini-Jobs» zu verzichten und diese durch sozialversicherungspflichtige Teilzeit-Jobs zu ersetzen. Es habe sich gezeigt, dass solche Mitarbeiter eine bessere Bindung an das Unternehmen hätten, sagte Deichmann.

Mit rund 55 Prozent erwirtschaftet Deichmann mittlerweile mehr als die Hälfte seines Umsatzes im Ausland. Auch im laufenden Jahr will das Unternehmen vor allem außerhalb des Heimatmarkts expandieren. Für rund drei Viertel der insgesamt 243 geplanten Neueröffnungen sollen Standorte im Ausland gewählt werden. Insgesamt will das Unternehmen dafür 192 Millionen Euro investieren.

In Deutschland will Deichmann nun vor allem in Kleinstädten mit mindestens 30 000 Einwohnern neue Läden eröffnen. In europäischen Metropolen will der Schuhhändler dagegen auf besonders ausgestattete sogenannte «Flagship Stores» setzen. Auch im Internet will Deichmann weiter expandieren. Der Umsatz im Online-Handel lag im vergangenen Jahr allerdings lediglich bei zehn Millionen Euro.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer