Chemie
Ein Mitarbeiter der Akzo Nobel Industrial Chemicals GmbH in Bitterfeld Wolfen in die Anlage zur Chloraufbereitung: Die deutsche Chemieindustrie hat 2010 einen gewaltigen Endspurt hingelegt.

Ein Mitarbeiter der Akzo Nobel Industrial Chemicals GmbH in Bitterfeld Wolfen in die Anlage zur Chloraufbereitung: Die deutsche Chemieindustrie hat 2010 einen gewaltigen Endspurt hingelegt.

dpa

Ein Mitarbeiter der Akzo Nobel Industrial Chemicals GmbH in Bitterfeld Wolfen in die Anlage zur Chloraufbereitung: Die deutsche Chemieindustrie hat 2010 einen gewaltigen Endspurt hingelegt.

Frankfurt/Main (dpa) - Die deutsche Chemieindustrie steht vor einem Rekordjahr. Zwar erwartet die Branche, dass sich das Wachstum nach der rasanten Aufholjagd abschwächt. Deutschlands viertgrößter Industriezweig rechnet in diesem Jahr dennoch mit einem Umsatzrekord.

Die Produktion läuft auf Hochtouren: Im Schlussquartal 2010 stieg die Produktion chemischer Erzeugnisse gegenüber dem Vorquartal um 1,7 Prozent, gegenüber dem Vorjahreszeitraum betrug der Mengenzuwachs 6,7 Prozent, wie der Verband der Chemischen Industrie (VCI) am Mittwoch in Frankfurt mitteilte.

Damit hat die Produktion im Quartalsvergleich zum siebten Mal in Folge zugelegt. Die Chemieindustrie knüpft nun bei Produktion, Umsatz und Kapazitätsauslastung wieder an das Vorkrisenniveau an.

«Unsere Branche hat ein außergewöhnliches Jahr mit einem Endspurt abgeschlossen. Die Stimmung in den Unternehmen ist gut», sagte VCI-Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann. Der Aufwärtstrend werde sich 2011 fortsetzen, aber deutlich an Tempo verlieren.

Der VCI begründete die nachlassende Dynamik unter anderem damit, dass sich der Aufschwung im Inland zunehmend in Kundenbranchen mit weniger Chemikalienbedarf verschiebe, wie etwa den Maschinenbau oder elektrische Ausrüstungen. «Auch auf unseren wichtigsten Auslandsmärkten schwächt sich das Wachstum ab.» So habe die Dynamik in den Schwellenländern bereits nachgelassen.

Auch die politischen Unruhen in Nordafrika und im Nahen und Mittleren Osten könnten sich auf das Geschäft auswirken: «Zusätzlich drohen durch Spekulationen und die instabile Lage in den arabischen Ländern kräftige Preissteigerungen bei den Rohstoffen.» Viel werde davon abhängen, wie der weitere Demokratisierungsprozess in der Region verlaufe, sagte Tillmann: «Die Region bleibt ein Pulverfass.»

Dennoch dürfte die Industrie mit mehr als 413 000 Mitarbeitern und internationalen Konzernen wie BASF, Bayer, Merck oder Evonik in diesem Jahr bisherige Rekorde beim Umsatz erreichen. Die Produktion wird nach Verbandsprognosen um 2,5 Prozent wachsen, der Umsatz um 4 Prozent. Im vergangenen Jahr setzten die deutschen Chemieunternehmen mit 170,6 Milliarden Euro 17,6 Prozent mehr um als im Vorjahr.

Die Chemieunternehmen bleiben Deutschland nach einer VCI-Umfrage treu. Sowohl mittelständische Betriebe als auch Großkonzerne planen demnach, ihre Produktions- und Forschungskapazitäten in Deutschland auszubauen: «In den nächsten drei bis fünf Jahren wollen knapp 70 Prozent der befragten Chemieunternehmen hier in neue Anlagen investieren und sogar 90 Prozent ihre Forschungsaktivitäten erweitern. Das ist ein klares Bekenntnis der Branche zum Standort Deutschland», sagte Tillmann.

Gleichzeitig setzen vor allem die Großen der Branche ihre Expansion im Ausland fort, insbesondere die Schwellenländer Brasilien, Indien und China sowie Russland seien beliebt. Rund 40 Prozent der befragten Unternehmen wollen nach der Umfrage auch dort investieren. Dort beflügelten das hohe Wirtschaftswachstum, die Industrialisierung und steigende Einkommen den Chemieverbrauch.

In China wird die Chemieproduktion nach Einschätzung des VCI bis 2020 im Durchschnitt um 10 Prozent pro Jahr zulegen, in Indien um 6,5 und in Russland um 7,5 Prozent. In der EU geht der VCI in der gleichen Zeitspanne von einer jährlichen Wachstumsrate von 2 Prozent aus. Damit schneidet Europa in der Prognose aber noch besser ab als die USA, wo der VCI mit 1,5 Prozent rechnet, und als Japan (0,5 Prozent).

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