Der frühere Chef der Deutschen Bank soll gelogen haben. Ab Donnerstag steht er vor Gericht.

Rolf Breuer muss sich einem neuen Prozess in Sachen Kirch stellen.
Rolf Breuer muss sich einem neuen Prozess in Sachen Kirch stellen.

Rolf Breuer muss sich einem neuen Prozess in Sachen Kirch stellen.

dpa

Rolf Breuer muss sich einem neuen Prozess in Sachen Kirch stellen.

München. Für Rolf Breuer hat das jahrelange juristische Tauziehen um die Milliardenpleite des einstigen Medienzars Leo Kirch kein Ende – auch nach dessen Tod nicht. Kirch hatte den Ex-Chef der Deutschen Bank und sein Geldhaus stets für den Zusammenbruch seines Imperiums 2002 verantwortlich gemacht. Vor allem ein Interview, das Breuer Wochen vor dem Untergang der Kirch-Gruppe gegeben hat, ist Thema etlicher Zivilverfahren, bei denen es um milliardenschweren Schadenersatz geht. Breuer hatte die Kreditwürdigkeit Kirchs angezweifelt – für Kirch erst der Auslöser für den Kollaps.

In diesem Prozess geht es einmal nicht ums Geld

Nun geht es nicht um Geld, Breuer soll in einem der Zivilverfahren gelogen haben – und das ist ein Fall für die Staatsanwaltschaft. Ab Donnerstag muss sich Breuer in einem Strafverfahren wegen versuchten Prozessbetrugs verantworten. Breuer weist die Vorwürfe zurück.

Konkret wirft die Anklage dem ehemaligen Top-Banker vor, 2003 in einem Schadenersatzprozess vor dem Oberlandesgericht München die Unwahrheit gesagt zu haben. Breuer hatte gesagt, seine im Interview geäußerten Zweifel an der Kreditwürdigkeit Kirchs basierten ausschließlich auf Medienberichten – und nicht wie die Kirch-Seite und die Staatsanwaltschaft meinen, auf bankinternen Informationen.

Geldstrafe oder bis zu fünf Jahre Haft bei einer Verurteilung

„Mit Blick auf die Stellung des Angeschuldigten als Vorstandsmitglied und Vorstandssprecher der Bank und mit Blick auf seine konkrete Befassung mit dem in Rede stehenden Kreditmanagement, hält die Staatsanwaltschaft diese Äußerung für bewusst wahrheitswidrig“, heißt es in einer Pressemitteilung der Ermittler von 2009.

Das Geldhaus unterhielt nämlich zu einem Teil des Kirch-Konzerns Geschäftsbeziehungen. So soll Breuer im Jahr 2001, damals noch Vorstandssprecher der Bank, bei einer Sitzung gewesen sein, auf der vor Risiken bei Kirch gewarnt worden sein soll.

Im derzeit parallel laufenden Zivilprozess beteuerte Rolf Breuer, das Gespräch sei rückblickend ein Unfall und Fehler gewesen. In dem Verfahren hatte Leo Kirch im Juli seinen letzten öffentlich Auftritt vor seinem Tod.

Dass es einen Zusammenhang zwischen dem Interview und der Milliardenpleite Kirchs gebe, wies der Top-Banker zurück. „Was ich gesagt habe, war die Wahrheit und allgemein bekannt“, sagte Breuer, der im November 74 Jahre alt wird.

Nun muss das Landgericht München entscheiden. Falls Breuer verurteilt wird, drohen ihm eine Geldstrafe oder bis zu fünf Jahre Haft.

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