Christoph Kübel
Christoph Kübel, der Personalvorstand beim Technikkonzern Bosch, bei einem dpa-Interview in der Konzernzentrale in Stuttgart. Foto: Bernd Weißbrod

Christoph Kübel, der Personalvorstand beim Technikkonzern Bosch, bei einem dpa-Interview in der Konzernzentrale in Stuttgart. Foto: Bernd Weißbrod

dpa

Christoph Kübel, der Personalvorstand beim Technikkonzern Bosch, bei einem dpa-Interview in der Konzernzentrale in Stuttgart. Foto: Bernd Weißbrod

Stuttgart (dpa) - Boschs Personalchef Christoph Kübel möchte mehr Förderung von der Politik, damit Frauen Ausbildungen in mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern wählen.

«Ich wünsche mir, dass diese MINT-Fächer ganz besonders unterstützt werden», sagte Kübel der Nachrichtenagentur dpa. MINT steht für die Fachrichtungen Mathematik, Information, Naturwissenschaft und Technik. «Ich wünsche mir, dass die Politik Frauen motiviert, dass sie in die entsprechenden Fächer gehen.»

Der Technikkonzern, zweitgrößter Automobilzulieferer weltweit, rekrutiert 80 Prozent seiner Berufsanfänger aus diesen Fächern. Das bringt Probleme: «Wir als Unternehmen, das in einem technischen Bereich unterwegs ist, haben es natürlich deutlich schwerer als Unternehmen in einem anderen Bereich», sagte Kübel. Bosch habe sich zum Ziel gesetzt, unter seinen Rekruten aus bestimmten Fachrichtungen jeweils einen 20 Prozent höheren Frauenanteil zu haben als im jeweiligen Studienabschluss. Bei Elektrotechnik liege der Frauenanteil beispielsweise bei unter zehn Prozent, dort wolle Bosch zwölf Prozent erzielen, erläuterte Kübel. «Das haben wir im vergangenen Jahr in fast allen Studienbereichen erreicht.»

Frauenministerin Manuela Schwesig und Justizminister Heiko Maas (beide SPD) haben sich zum Ziel gesetzt, ab 2015 für die Aufsichtsräte, Vorstände und die oberste Managementebene mitbestimmungspflichtigen oder börsennotierten Unternehmen verbindliche Zielvorgaben zur Frauenförderung zu machen. Für Bosch gelten diese Vorgaben nach den Worten von Kübel zwar nicht.

Trotzdem hat sich Bosch zum Ziel gesetzt, den Frauenanteil auf den Führungsebenen bis 2020 auf 20 Prozent zu steigern. Aktuell liege er bei 12,2 Prozent, im gesamten Unternehmen beträgt er 24 Prozent. Dabei sitzen in der Geschäftsführung um Bosch-Chef Volkmar Denner nur Männer, im Aufsichtsrat der Robert Bosch GmbH sind gerade vier von 20 Mitgliedern weiblich.

Quoten hält Kübel aber für den falschen Weg: «Für uns ist ein Weg mit vielen Einzelmaßnahmen nachhaltig», sagte der Personalchef. Dazu gehörten persönliche Beratung genauso wie eine Arbeitskultur, die sich durch flexible Arbeitszeiten auszeichne, die mit Familienplanung vereinbar sei. Wichtig sei auch eine entsprechende Kommunikationskultur im Unternehmen, die Vielfalt fördert.

«Wir haben selber sehr gute Erfahrung mit diesen vielfältig besetzten Teams», sagte Kübel. Teams, die mit Frauen und Männern sowie mit jungen und älteren Mitarbeitern besetzt sind, seien deutlich erfolgreicher, so die Erfahrung bei Bosch. So sei der handliche Akkuschrauber Ixo, ein Verkaufsschlager der Werkzeugsparte, von einem internationalen Team unter starker Beteiligung einer Frau entstanden. Sie habe maßgeblich dazu beigetragen, dass der Akkuschrauber möglichst klein ist.

Bis allerdings eine Frau in der Geschäftsführung sitzt, dürfte es noch etwas dauern. «Ich sehe ein deutliches Potenzial, das wir innerhalb des Unternehmens haben, das sich in die oberen Führungsetagen weiter entwickelt», sagte Kübel. Kurzfristig wird das jedoch nichts ändern: «Da wird mit Sicherheit mittel- bis langfristig eine Dame dabei sein, die dann auch eine Geschäftsführerin wird.»

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer