Die Krise macht es möglich: Die Partner einigen sich ohne vorherige Drohgebärden und Säbelrasseln.

IG Metall-Chef Berthold Huber (l.) und Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser zeigten sich mit der schnellen Tarifeinigung hochzufrieden.
IG Metall-Chef Berthold Huber (l.) und Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser zeigten sich mit der schnellen Tarifeinigung hochzufrieden.

IG Metall-Chef Berthold Huber (l.) und Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser zeigten sich mit der schnellen Tarifeinigung hochzufrieden.

dpa

IG Metall-Chef Berthold Huber (l.) und Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser zeigten sich mit der schnellen Tarifeinigung hochzufrieden.

Düsseldorf. Zumindest an einem Ritual hielten Arbeitgeber und Gewerkschaft eisern fest: Es musste ein Verhandlungsmarathon werden, der an die Schmerzgrenze ging. Doch nach 15 Stunden war der Abschluss für die 700 000 Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie Nordrhein-Westfalens unter Dach und Fach - und damit auch der Pilotabschluss für die gesamte deutsche Metallbranche mit 3,4 Millionen Beschäftigten. Im Eiltempo kamen Arbeitgeber und Gewerkschaften in der zweiten Tarifrunde zum Ergebnis.

Übermüdet, aber zufrieden präsentierten die Verhandlungsführer der Arbeitgeber und der Gewerkschaft, Horst-Werner Maier-Hunke und Oliver Burkhard, den Tarifvertrag "Zukunft in Arbeit". "Wir haben hart verhandelt und sind auch in schwierigen Zeiten in der Lage, gute Ergebnisse zu erzielen", sagte Burkhard. Auch Maier-Hunke und Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser begrüßten die Einigung: "Wir haben sehr früh erkannt, dass wir etwas tun müssen für die Sicherung der Arbeitsplätze."

Es war eine Einigung im Rekordtempo, wie es sie in der deutschen Tariflandschaft selten gegeben hat - schon gar nicht mit der sonst eher kämpferischen und streikfesten IG Metall. Doch Not, sprich die schwere Wirtschaftskrise, macht erfinderisch: Zum ersten Mal verzichtete die IG Metall auf eine konkrete Entgeltforderung und jegliche Drohgebärden.

Doch als lahme Ente sieht IG-Metall-Chef Berthold Huber seine Organisation keinesfalls: "Was ist ambitionierter als Beschäftigung zu sichern in der größten Wirtschaftskrise?" Zugleich forderte er die Unternehmer auf, die neu geschaffenen Instrumente im Alltag umzusetzen.

"Niemandem muss in der Krise gekündigt werden"

Angesichts der schweren Krise, die vor allem den Maschinenbau durchrüttelt, standen die Tarifpartner unter enormem Handlungsdruck: Die Unternehmen wollen bei schlechten Geschäften Planungssicherheit für die Zukunft. Gleichzeitig sind die Beschäftigten an sicheren Jobs interessiert, die mit der gesetzlichen Kurzarbeit erhalten werden konnten. Diese Menschen über den neuen Tarifvertrag "Zukunft in Arbeit" in Brot und Lohn zu halten, war das zentrale Anliegen der IG Metall. Und das sei erreicht worden, frohlockte Burkhard: "Niemandem muss in der Krise gekündigt werden."

Die Kurzarbeitsregelungen im Tarifvertrag können nur in Unternehmen angewendet werden, in denen bereits seit zwölf Monaten gesetzliche Kurzarbeit gilt und bei denen die Bundesagentur für Arbeit Kurzarbeitergeld zahlt. Für diese Betriebe will die IG Metall Kurzarbeit günstiger machen, damit die Betriebe auch weiter auf Entlassungen verzichten, und bietet daher entsprechende Anreize.

In einer ersten Phase erlaubt der neue Tarifvertrag Unternehmen nach einem Jahr Kurzarbeit eine Kürzung des Urlaubs- und des Weihnachtsgeldes. Die beiden Sonderzahlungen werden dazu anteilig auf die einzelnen Monate des Jahres umgelegt und an der gekürzten Arbeitszeit ausgerichtet. Diese Regelung muss für mindestens sechs Monate angewendet werden und ist maximal bis Ende der gesetzlichen Kurzarbeit möglich. Während dieser Zeit dürfen Unternehmen Kurzarbeitern nicht kündigen.

Haben Unternehmen krisenbedingt weiterhin Probleme, können sie in Phase zwei befristet die Wochenarbeitszeit von 35 auf bis zu 28 Stunden senken - mit Zustimmung der Arbeitnehmer auch auf 26 Stunden. Die Arbeitnehmer erhalten dafür einen teilweisen Lohnausgleich. Die Regelung kann bis Ende des Tarifvertrags für maximal zwölf Monate angewendet werden. Die Arbeitgeber garantieren auch hier im Gegenzug sichere Arbeitsplätze.

Vereinbart ist zusätzlich eine Lohnerhöhung für die 3,4 Millionen Beschäftigten in Deutschlands größter Industriebranche von 2,7 Prozent ab April 2011. Zuvor sind zwei Einmalzahlungen in Gesamthöhe von 320 Euro vorgesehen.

Wie notwendig der Tarifvertrag für die Metaller in Deutschland ist, zeigt allein ein Blick auf die Zahlen. Bundesweit sieht die IG Metall bis Ende 2012 rund 700 000 Jobs bedroht, wenn die Kurzarbeit ausläuft und Anschlussinstrumente fehlen. Dieser Schleuse haben die Tarifpartner einen Riegel vorgeschoben.

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