Alle Daten sprechen für günstige Kraftstoffe. Einzig die Stimmung treibt derzeit den Preis.

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An den Zapfsäulen sind die Preise in den vergangenen Tagen nach oben gegangen.

An den Zapfsäulen sind die Preise in den vergangenen Tagen nach oben gegangen.

dpa

An den Zapfsäulen sind die Preise in den vergangenen Tagen nach oben gegangen.

Hamburg. Bei aufmerksamen Autofahrern sind seit zwei Wochen die Warnlampen an: Nach monatelanger Stagnation tut sich wieder etwas an den Tankstellen und die Preise gehen hoch. Benzin kostet hier und da schon mal 1,30 Euro je Liter, Diesel bis zu 1,10 Euro.

Das gab es zuletzt im vergangenen Herbst. Auch der Rohölpreis hat in dieser Woche zumindest für die US-Sorte WTI kurz an der 60-Dollar-Marke für ein Barrel (159 Liter) gekratzt und war damit so hoch wie seit sechs Monaten nicht mehr. Doch Experten geben Entwarnung: Es gibt keine Anzeichen für einen dauerhaften Ölpreisanstieg in diesem Jahr.

Experten rechnen vorerst nicht mit dauerhaft höheren Preisen

"Der aktuelle Ausschlag hat mehr mit der Stimmung als mit der Realität zu tun", sagt Klaus Matthies vom Hamburgischen WeltWirtschafts-Institut (HWWI). "Einige sehen einen Hoffnungsschimmer und denken, der Aufschwung ist schon in Sicht."

Tatsächlich aber kommen aus der Weltwirtschaft widersprüchliche Signale. "Ich sehe nicht, dass sich die Ölpreise nachhaltig nach oben entwickeln", sagt Matthies. Sein Institut rechnet für die nächsten Monate mit einem Preis von 50 bis 55 Dollar je Fass.

Auf der Angebotsseite gibt es keine spürbare Verknappung. Zwar hat das Förderkartell Opec mehrfach Förderkürzungen beschlossen, aber die Disziplin im Kartell ist begrenzt.

Gerade wenn der Ölpreis ein wenig steigt, wächst auch für die Opec-Mitglieder der Anreiz, Rohöl über die vereinbarten Mengen hinaus zu fördern und auf dem Weltmarkt zu verkaufen. Die Förderländer können sich so höhere Einnahmen verschaffen. Zudem steigt die Förderung aus Nicht-Opec-Ländern, was die Marktlage zusätzlich entspannt.

Die Lager der Opec-Länder sind derzeit sehr gut gefüllt

Bei der Nachfrage sprechen die wesentlichen Faktoren eher für einen fallenden als einen steigenden Ölpreis. Die Internationale Energie-Agentur (IEA) in Paris geht in ihrem jüngsten Marktausblick davon aus, dass die Nachfrage nach Öl weltweit in diesem Jahr um drei Prozent auf 83,2 Millionen Barrel pro Tag zurückgeht.

Im vergangenen Jahr waren es noch 85,8 Millionen Barrel pro Tag. Gleichzeitig liegen die Lagerbestände in den Opec-Ländern mit 2,75 Milliarden Barrel um 6,7 Prozent über dem Vorjahr. Ein plötzlicher Nachfrageschub ist unter den Rahmenbedingungen einer weltweiten Wirtschaftskrise eher nicht zu erwarten.

Die Autofahrer müssen sich also nicht sorgen, dass mit dem Beginn der Urlaubszeit wieder die Rekordpreise des Vorjahres an der Zapfsäule stehen. Anfang Juli vergangenen Jahres erreichte der Rohöl- Preis nahezu 150 Dollar je Barrel und Benzin kostete zeitweise 1,60 Euro je Liter, ehe dann die Weltkonjunktur einbrach.

Sicherheit dafür gibt es allerdings nicht. "Wir haben uns in der Vergangenheit manches Mal geirrt", sagt Matthies. "Das kann auch wieder vorkommen."

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