Chemiekonzern muss sich trotz glänzender Bilanz viel Kritik von Aktionären anhören.

Bayer
Konzernchef Dekkers (li.) und Noch-Aufsichtsratschef Schneider.

Konzernchef Dekkers (li.) und Noch-Aufsichtsratschef Schneider.

Reuters

Konzernchef Dekkers (li.) und Noch-Aufsichtsratschef Schneider.

Köln. Gegensätzlicher konnten sie kaum ausfallen – Teil 1 und Teil 2 der Bayer-Hauptversammlung. In Teil 1 durfte sich Chemie-Konzernchef Marijn Dekkers des Beifalls der Aktionäre in der Messe Köln noch sicher sein. Da stellte er die schon bekannte Erfolgsbilanz des Jahres 2011 und des ersten Quartals 2012 vor.

Für weitere positive Emotionen sorgte das von vielen Seiten über den Ende September ausscheidenden Aufsichtsratschef Manfred Schneider (73) ausgeschüttete Lob. Dessen Posten übernimmt ab Oktober der frühere Bayer-Vorstandschef Werner Wenning (65).

Schneider wurde mit Dank und Applaus für seine 46-jährige Bayer-Tätigkeit bedacht. Hier war sie im Saal greifbar – die Identifikation der Aktionäre mit ihrem Unternehmen. Was angesichts der messbaren Erfolge auch kaum verwundert: Umsatzwachstum von gut 5 Prozent auf 36,5 Milliarden Euro im Konzern, ein um gut 7 Prozent auf über 7,6 Milliarden Euro gesteigertes operatives Ergebnis.

Vorstandschef Marijn Dekkers steht weiter zur umstrittenen CO-Pipeline

Dennoch geriet Teil 2 der Hauptversammlung – die Fragen an den Vorstand – über weite Strecken zum Tribunal. Zwar gab es auch Wortmeldungen, die eine weitere Steigerung des Kurswertes und der Dividende einforderten, doch den meisten ging es nicht ums Geld.

Die Vorwürfe kamen Schlag auf Schlag: dass Bayer mit seiner Pflanzenschutzsparte für den Tod von Bienen verantwortlich sei; Tierversuche bei der Erforschung neuer Medikamente wurden angeprangert. Es ging um Nebenwirkungen einer Spirale zur Langzeitverhütung. Und natürlich auch um die von vielen Menschen wegen des Unglücksrisikos abgelehnte CO-Pipeline zwischen den Bayer-Werken in Krefeld und Dormagen.

Vorstandschef Dekkers ließ sich von keiner der vielfach sehr emotional vorgetragenen Anklagen aus der Reserve locken. Er konterte sachlich. Und blieb am Ende in allen Punkten beim eingeschlagenen Weg. Beispiel CO-Pipeline: Hier gebe es einen hohen Sicherheitsstandard, das Projekt sichere Arbeitsplätze und bedeute auch Steuereinnahmen für Land und Kommunen.

Bizarr mutete der Vorschlag an, Bayer möge doch seinen Mitarbeitern Hometrainer zur Verfügung stellen. Der Niederländer beschied knapp, dies sei „keine Lösung für den Büroalltag“.

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