Der Schweizer Rudolf Elmer ist festgenommen worden, weil er Wikileaks Bankgeheimnisse verraten haben soll.

Enthüllung
Rudolf Elmer am Mittwoch auf dem Weg ins Gericht.

Rudolf Elmer am Mittwoch auf dem Weg ins Gericht.

Am Montag hatte er die Daten-CDs an Julian Assange (l.) übergeben.

dpa, Bild 1 von 2

Rudolf Elmer am Mittwoch auf dem Weg ins Gericht.

Genf. Wikileaks-Informant Rudolf Elmer sieht genauso aus, wie man sich einen Schweizer Banker vorstellt: unauffällig, mit Anzügen von der Stange. Seine runde Brille signalisiert eine konservative Haltung. Ausgerechnet der unscheinbare Mittfünfziger war einer der ersten, der die Enthüllungsplattform Wikileaks international ins Gespräch brachte. Dafür wird er nun von der Justiz verfolgt.

Erst am Mittwoch wurde der Ex-Julius-Bär-Banker verurteilt

Wenige Stunden nach seinem ersten Prozess wegen Verletzung des Bankgeheimnisses am Mittwoch wurde der frühere Julius-Bär-Banker erneut festgenommen. Grund seien Daten-CDs, die Elmer am Montag in London an den Chef des Enthüllungsportals Wikileaks, Julian Assange, übergeben hatte. Die Staatsanwaltschaft überprüfe, ob Elmer damit gegen das schweizerische Bankengesetz verstoßen habe.

Der frühere Geschäftsleiter der Julius-Bär-Filiale auf den Cayman Islands war zuvor von einem Gericht in Zürich zu einer Geldstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Er hatte zugegeben, bereits früher geheime Kundendaten an Steuerbehörden und Wikileaks weitergegeben zu haben. Das Gericht sprach ihn neben der Verletzung des Bankgeheimnisses der versuchten Nötigung und Drohung für schuldig. Elmer sei ein enttäuschter Ex-Bankangestellter, für den sich Karriereträume nicht verwirklicht hätten. Zudem habe er zugegeben, hier und da mal getäuscht und gedroht zu haben.

Elmer arbeitete acht Jahre im Steuerparadies Cayman Islands

Elmer hatte acht seiner 20 Dienstjahre bei Bär im Steuerparadies Cayman Islands verbracht, bevor er 2002 rausflog, weil die US-Behörden plötzlich über Bankdaten verfügten und Elmer sich keinem Lügendetektortest unterziehen wollte. Nach seiner Darstellung wurde er zu einem „Whistleblower“, einem Informanten für die Öffentlichkeit, – angeblich, weil er die Geschäftspraktiken der Bank nicht länger ertragen konnte.

Jeden Abend nahm er eine Kopie der Daten mit nach Hause

Wer bei Julius Bär ein Konto eröffnen will, muss viel Geld mitbringen. Noch mehr muss es sein, wenn der Kunde von den Steuersparmöglichkeiten auf den Inseln profitieren will. Elmer hatte alle Daten dieser Spezialkunden immer bei sich zu Hause, denn er war ein „Hurrikan-Verantwortlicher“. Jeden Abend nahm er eine Kopie der Daten mit, um sie vor Wirbelstürmen in Sicherheit zu bringen. Eine solche Kopie hatte er auch noch, als er von der Bank entlassen wurde. Er habe diese Daten aber nicht gestohlen, sondern nur besessen, so seine etwas wackelige Argumentation.

Rudolf Elmer hat dem Wikileaks-Gründer Julian Assange die gesammelten Dateien auf CDs übergeben.

Die Daten sollen Namen, Vermögensangaben und Kontobewegungen von 2000 Kunden, die ihr Geld am Fiskus vorbei deponiert haben sollen, enthalten. Dabei seien Multimillionäre, Konzerne und Hedge-Fonds sowie Künstler und 40 Politiker.

Ob Elmer nach seiner Festnahme in Haft bleiben muss, ist noch unklar. Die Staatsanwaltschaft scheint entschlossen, das Schweizer Bankgeheimnis zu verteidigen. Dabei hat Elmer, der angeblich Schulden hat und dessen Ehe zerrüttet ist, im Kampf gegen eben dieses strenge Bankengesetz einen prominenten Verbündeten: Kein geringerer als der ehemalige Seniorchef der Privatbank, Hans Julius Bär, schrieb in seinen Memoiren, das Bankgeheimnis gehöre abgeschafft. Es mache „fett, aber impotent“, weil es die Schweiz vom Wettbewerb ausnehme.

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