Druck aus der Politik: Nach der Finanzkrise wollen die Institute bei den Kunden nun für mehr Durchblick sorgen.

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In den Bankentürmen in Frankfurt findet langsam ein Umdenken statt: Die Kleinanleger sollen besser informiert werden.

In den Bankentürmen in Frankfurt findet langsam ein Umdenken statt: Die Kleinanleger sollen besser informiert werden.

dpa

In den Bankentürmen in Frankfurt findet langsam ein Umdenken statt: Die Kleinanleger sollen besser informiert werden.

Frankfurt/Berlin. Einfach, offen, nah am Kunden - glaubt man den Banken, ist das die Finanzwelt der Zukunft. Anleger sollen sich wohlfühlen bei "ihrer" Bank, Kunden wieder Vertrauen gewinnen in eine Branche, die mit unverständlichen Kunstprodukten in einer Jahrhundertkrise Milliarden verbrannte. Doch Verbraucherschützer und Ökonomen zweifeln, ob Transparenz Einzug hält und sich das System grundlegend ändert.

Der politische Druck zeigt erste Wirkung: Am Freitag stellte der Privatbankenverband BdB das Muster eines einheitlichen "Produktinformationsblatts" vor. Wie ein "Beipackzettel" für Arzneien soll es Risiken und Funktionsweise von Fonds oder Zertifikaten auflisten. Ob, wann und wie die Institute das Muster nutzen werden, ist offen. Es könne bis Frühsommer dauern, bis erste Produkte damit verständlich gemacht werden, hieß es beim Bundesverband deutscher Banken.

"Wir begrüßen jede Bemühung zu mehr Transparenz, aber wir brauchen eine einheitliche Lösung", mahnte der Leiter des Fachbereichs Finanzdienstleistungen beim Verbraucherzentrale Bundesverband, Manfred Westphal. An eine Rückkehr zu Bescheidenheit und Einfachheit glaubt er nicht: "Die Produkte sind eher komplexer geworden, die Verbraucher ersticken schier in einem Wust verschiedener Produkte."

"Jedes Frühstücksei unterliegt strengeren Richtlinien"

Der FDP-Politiker Erik Schweickert kritisierte: "Jedes Frühstücksei unterliegt strengeren Etikettierungsrichtlinien als eine Bank bei der Kennzeichnung ihrer Produkte."

Indes kennt die Kreativität der Bankstrategen derzeit keine Grenzen, wenn es darum geht, verlorenes Vertrauen zurück- oder neue Kunden dazuzugewinnen: Volks- und Raiffeisenbanken streben an, in immer mehr ihrer 13 600 Filialen Briefe und Pakete anzunehmen und der Post Konkurrenz zu machen. Die Postbank entrümpelt ihr Angebot und versucht, Privatkunden mit Produkten zu überzeugen, die auch Laien verstehen.

Das kann zum Beispiel ein Zertifikat oder ein Fonds sein. Funktionsweise: Hier stehen Angaben dazu, wovon die Kursentwicklung eines Wertpapiers oder die Auszahlung am Ende abhängen. szenarien

Dazu gehören Emissionspreis und Fälligkeitstag.

Sie sollen aufzeigen, was der Anleger bei positiver oder aber negativer Marktentwicklung am Ende herausbekommen könnte.

Dazu zählen etwa Aufschläge beim Erwerb oder Gebühren während der Laufzeit. Was passiert bei Insolvenz der Bank? Ist ein Totalverlust des angelegten Geldes möglich?

Es gibt bisher keine einheitliche Regelung. Die Direktbank ING-Diba und die Deutsche Bank haben bereits Info-Blätter. Die Genossenschaftsbanken haben Beipackzettel für das Frühjahr angekündigt.

Dass Banken ein Imageproblem haben, hat sich in den Führungsetagen herumgesprochen. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann etwa gab sich bei der Bilanzvorlage im Februar betont bescheiden: "Es gibt eine Verantwortung auch für die Menschen, und hier müssen wir noch besser werden. Wir müssen deutlich machen, dass wir nicht nur vom Geld getrieben sind, sondern von Werten." Postbank-Chef Stefan Jütte sekundierte: "Wir wollen unseren Kunden die Entscheidung in Finanzfragen so leicht wie möglich machen."

Eine Renaissance des Filialgeschäfts sehen Experten trotz der Bemühungen der Institute nicht. In den vergangenen Jahren sank die Zahl der Bankstellen stetig, nach jüngsten Zahlen der Bundesbank gab es Ende 2008 noch gut 41700 bundesweit. 1997 waren es noch über 66700. "In den letzten Jahren gab es eher den Drang, die Leute aus den Filialen rauszuhalten", schimpft Verbraucherschützer Westphal. Ökonom Schiereck erwartet keine Trendwende, er rechnet eher mit einer Zersplitterung des Privatkundenmarktes: "Zum Einen die Massenkundschaft, die einen Waschzettel bekommt oder Produkte, die man nicht mehr erklären muss, und sonst eher alleingelassen wird, zum Anderen vermögendere Kunden, die individueller beraten werden."

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