Folge: Die Überprüfungen der Züge führen über längere Zeit hinweg zu Einschränkungen im Bahnverkehr und bringen die Fahrpläne durcheinander.

ICE Wartung der Deutschen  Bahn im  Werk Oppum . (Archiv
ICE Wartung der Deutschen Bahn im Werk Oppum . (Archiv

ICE Wartung der Deutschen Bahn im Werk Oppum . (Archiv

Andreas Bischof

ICE Wartung der Deutschen Bahn im Werk Oppum . (Archiv

Berlin. Die Probleme der Bahn mit den Achsen ihrer modernen ICE-Neigetechnikzüge nehmen kein Ende. Konzernchef Hartmut Mehdorn sagte der «Bild am Sonntag», die Achsen der betroffenen Züge würden womöglich ausgewechselt. «Unsere Experten schließen nicht mehr aus, dass wir bei der ICE-T-Flotte die entsprechenden Achsen austauschen müssen.»

Dieser Prozess werde bis zu zwei Jahren dauern. Ein Bahn- Sprecher sagte am Sonntag dpa, er könne nicht sagen, wie viele der 67 ICE-Neigetechnik-Züge betroffen sein werden. Auch zu möglichen Auswirkungen durch Verspätungen oder den Einsatz von Ersatzzügen wollte der Sprecher sich nicht äußern.

Vergangenes Jahr hatte der Konzern millimetertiefe Risse an mehreren ICE-Zugachsen festgestellt. Die ICE-T-Flotte wurde vorübergehend fast komplett aus dem Verkehr gezogen. Die Achsen werden nun wie beim ICE-3 alle 30 000 Kilometer per Ultraschall auf Schäden kontrolliert. Eigentlich waren längere Wartungsintervalle vorgesehen.

Die Überprüfungen der Züge führten über längere Zeit hinweg zu Einschränkungen im Bahnverkehr und brachten die Fahrpläne durcheinander. Mancher ICE fuhr nur mit halber Länge und war folglich überfüllt. Die ICE-T-Flotte wird von einem Konsortium der Firmen Siemens, Alstom und Bombardier hergestellt. Die französische Alstom ist federführend bei der Produktion der ICE-T-Achsen.

Mehdorn sagte der «BamS» weiter, die Hersteller sollten für den Schaden geradestehen. «Wir werden wegen der Risse in den Achsen bei der Industrie Schadenersatz geltend machen. Ich gehe von einem dreistelligen Millionenbetrag aus.» Die Bahnindustrie habe ihm für Mitte Dezember eine Lösung in Aussicht gestellt. «Jetzt haben wir Mitte Januar, und ich habe immer noch keine Antwort bekommen.»

Der Konzernchef bekräftigte, er halte an den Plänen zum Börsengang der Bahn fest. Wegen der Finanzkrise werde dies aber später geschehen als ursprünglich vorgesehen. «Wir wären im Oktober blöd gewesen, wenn wir die Bahn unter Wert verkauft hätten», sagte Mehdorn. «Aber wir halten Kontakt zu potenziellen Investoren aus China, dem Mittleren Osten und Russland, aber natürlich auch aus Deutschland.»
 

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