Axel Springer-Verlag
Axel Spriger steigt aus einer Reihe von Regionalzeitungen aus. Foto: Steffen Kugler

Axel Spriger steigt aus einer Reihe von Regionalzeitungen aus. Foto: Steffen Kugler

dpa

Axel Spriger steigt aus einer Reihe von Regionalzeitungen aus. Foto: Steffen Kugler

Berlin/Essen (dpa) - Deutschlands größtes Zeitungshaus Axel Springer macht Ernst mit der Digitalisierung und verkauft traditionsreiche Printtitel. Für 920 Millionen Euro sollen die «Berliner Morgenpost» und das «Hamburger Abendblatt» sowie mehrere Zeitschriften an die Funke Mediengruppe (unter anderem «Westdeutsche Allgemeine Zeitung" WAZ) wechseln. Springer-Chef Mathias Döpfner teilte in Berlin mit, sein Haus werde den Weg zum führenden digitalen Medienunternehmen nun konsequent weitergehen. Das Zeitungs- und Zeitschriftenpaket (u.a. auch «Hörzu» «TV Digital» und «Bild der Frau») soll mit wirtschaftlicher Wirkung zum 1. Januar 2014 verkauft werden. Vom Kaufpreis werden laut Springer beim Vollzug des Geschäfts 660 Millionen Euro fällig. Spätestens sei diese Summe am 30. Juni 2014 zu zahlen. Das restliche Geld werde Springer der Funke Mediengruppe als Darlehen mit mehrjähriger Laufzeit gewähren. Die Springer-Regionalzeitungsgruppen sowie die Programm- und Frauenzeitschriften machten dem Medienkonzern zufolge 2012 einen Umsatz von 512,4 Millionen Euro. Der Gesamtumsatz von Springer lag bei rund 3,3 Milliarden Euro. Ein entsprechender Vorvertrag sei geschlossen. Die Transaktion müsse von den Kartellbehörden genehmigt werden, womit nicht vor Ende dieses Jahres zu rechnen sei. Das Bundeskartellamt kündigte an, den Deal sorgfältig zu prüfen. Die Axel Springer AG und die Funke Mediengruppe - vormals WAZ Mediengruppe - vereinbarten zudem, ein Gemeinschaftsunternehmen für Vertrieb und Vermarktung von gedruckten und digitalen Medienangeboten zu gründen. «Die Entscheidung, uns von einigen der traditionsreichsten Marken des Hauses zu trennen, ist uns nicht leicht gefallen», erklärte Döpfner. Auf dem Weg zum führenden digitalen Medienunternehmen gebe es eine klare Ausrichtung auf die «Bild»-und die «Welt»-Gruppe. Diese beiden Titel blieben ein unverzichtbarer Kern des Unternehmens. Zur Strategie gehöre der Ausbau von Online-Rubrikenmärkten und digitalen Vermarktungsplattformen. Funke-Geschäftsführer Thomas Ziegler erklärte, mit der Übernahme der Springer-Titel wolle die Mediengruppe zu einem führenden nationalen Medienhaus werden. Print und Online, Regionalzeitungen und Magazine sollten die journalistische Qualität und den wirtschaftlichen Ertrag sichern. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) erklärte, Axel Springer sei dabei, sich von einem der renommiertesten Verlage Europas in einen Mischkonzern mit digitalem Schwerpunkt zu verwandeln. Der DJV-Geschäftsführer in Hamburg, Stefan Endter, sagte der dpa, angesichts der Rationalisierungsmaßnahmen der Funke-Gruppe bei der «WAZ» sei die Sorge um die Sicherheit der Arbeitsplätze bei den Medienobjekten berechtigt. Die Verkaufsankündigung bezeichnete er als ziemlich katastrophal. An der Börse startete nach den Neuigkeiten hingegen ein regelrechtes Kursfeuerwerk: Die Springer-Aktie kletterte bis zum frühen Nachmittag um mehr als 20 Prozent auf über 42 Euro. Analyst Christoph Schlienkamp vom Bankhaus Lampe sprach von einer sehr guten Nachricht für das Unternehmen. «Ich habe nicht erwartet, dass Springer sich so schnell von solchen Traditionsmarken trennen würde.»

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