Nürburgring
Die Rennstrecke Nürburgring hat einen neuen Besitzer. Foto: Roland Weihrauch

Die Rennstrecke Nürburgring hat einen neuen Besitzer. Foto: Roland Weihrauch

dpa

Die Rennstrecke Nürburgring hat einen neuen Besitzer. Foto: Roland Weihrauch

Koblenz/Nürburg (dpa) - Der Düsseldorfer Autozulieferer Capricorn macht das Rennen und kauft den insolventen Nürburgring für 77 Millionen Euro. Die Formel 1 soll weiter in der Eifel starten. Der große Freizeitpark wird dezimiert.

Der Nürburgring hat fast zwei Jahre nach der Insolvenz einen Käufer und will wieder durchstarten. Der Zuschlag gehe an den Düsseldorfer Autozulieferer Capricorn, teilten die Sanierer des Rings am Dienstag in Koblenz mit. Der Mittelständler will die teure Formel 1 an der legendären Rennstrecke in der Eifel halten. Der Kaufpreis liegt nach Angaben der Sanierer bei 77 Millionen Euro, Capricorn will zudem bis zu 25 Millionen Euro in den Ausbau des Rings stecken. Die neue Gesellschaft soll 2015 starten.

Der Nürburgring musste 2012 Insolvenz anmelden, nachdem die damalige SPD-Alleinregierung einen zu groß geratenen Freizeitpark für rund 330 Millionen Euro hatte bauen lassen. Nach der Insolvenz mussten Millionen an Steuergeldern fließen. Ein Untreue-Prozess zum Ring-Ausbau unter anderem gegen den früheren rheinland-pfälzischen Finanzminister Ingolf Deubel (SPD) ist vor dem Landgericht Koblenz derzeit im Endspurt.

Seit 2013 suchten die Sanierer des Rings einen Käufer. Sanierungsgeschäftsführer Thomas Schmidt sagte in Koblenz: «Den Kaufvertrag haben wir heute unterschrieben.»Der Geschäftsführer von Capricorn, Robertino Wild, betonte:«Es gibt kein Finanzierungsrisiko.» Die Formel 1 will er auf jeden Fall weiter ihre Runden in der Eifel drehen lassen, «solange es bezahlbar bleibt». Touristenfahrten und das Rockspektakel«Rock am Ring» sollen weitergehen. Die Achterbahn, die erst kurze Zeit fuhr, muss aber innerhalb von Rheinland-Pfalz umziehen.

Die Landesregierung hofft auf einen Neustart. Die EU-Kommission sei nun zu einer Entscheidung aufgerufen im Streit um mögliche unrechtmäßige Beihilfen des Landes von insgesamt einer halben Milliarde Euro, erklärten Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Infrastrukturminister Roger Lewentz (beide SPD) sowie Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Grüne).

Brüssel nimmt die Zahlungen derzeit unter die Lupe. Der Kaufvertrag ist erst gültig, wenn die Kommission ihren Bescheid zu Beihilfen vorlegt. Der Käufer hat ein Rücktrittsrecht, falls er bei einer Rückforderung zahlen soll. Die Sanierer gehen aber davon aus, dass er nicht dafür haften muss.

Der Untreue-Prozess zum Ring-Ausbau ging parallel in die entscheidende Phase. Die Anklage forderte am Dienstag vor dem Landgericht Koblenz vier Jahre Freiheitsstrafe für Ex-Finanzminister Deubel. Sie hält ihn in sieben Fällen der Untreue für schuldig, in einigen plädierte sie dagegen auf Freispruch. Deubel soll mehrere Hunderttausend Euro veruntreut und Gelder in Höhe von zwölf Millionen Euro gefährdet haben. Er bestreitet das. Staatsanwältin Martina Müller-Ehlen sieht in dem Ex-Minister den Hauptschuldigen für die 2009 gescheiterte Privatfinanzierung des Ringausbaus.

Angeklagt sind auch Ex-Ringchef Walter Kafitz und mehrere Manager. Für Kafitz forderte die Staatsanwältin ein Jahr und zehn Monate auf Bewährung, im Fall des damaligen Ring-Controllers zehn Monate auf Bewährung. Wegen Beihilfe zur Untreue soll nach dem Willen der Anklage der Ex-Geschäftsführer der Förderbank ISB, Hans-Joachim Metternich, eine einjährige Bewährungsstrafe sowie der Geschäftsführer der ISB-Tochter RIM eine neunmonatige Bewährungsstrafe erhalten.

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