Die Pleite der Traditionsfirma trifft die Amerikaner ins Mark, bedeutet aber noch nicht das Aus für den Autobauer.

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Geländewagen stehen in den USA wie Blei auf dem Hof der Händler.

Geländewagen stehen in den USA wie Blei auf dem Hof der Händler.

dpa

Geländewagen stehen in den USA wie Blei auf dem Hof der Händler.

Washington. Mit seinem letzten Endes überraschenden Insolvenzantrag hat der traditionsreiche Autohersteller Chrysler eine neue Ära in der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte eingeläutet. Denn bei dem Konkurs des Kleinsten unter den "Großen Drei" aus Detroit handelt es sich um mehr als nur eine Firmenpleite. Die Chrysler-Insolvenz trifft die Amerikaner tief ins Mark. Das Selbstverständnis der USA als führende Industrienation ist schwer erschüttert.

Die goldenen Jahre sind für die US-Hersteller lange vorbei

Zugleich hat die Regierung des neuen Präsidenten Barack Obama ein klares Signal gesetzt: Die Staatskasse ist kein Fass ohne Boden. Sofern es sich nicht um systemrelevante Großbanken handelt, müssen Unternehmen, die schlecht gewirtschaftet haben und mit einem überholten Geschäftsmodell arbeiten, einen hohen Preis zahlen.

Während der achtziger Jahre warb Chrysler in seinen Fernsehreklamen mit einem griffigen Slogan, der zugleich ein klarer Appell an den Patriotismus der US-Autokäufer war. Die Modelle des 1925 von dem Unternehmer Walter Chrysler gegründeten Konzerns spiegelten "Das Herz Amerikas" wider, hieß es. In dem goldenen Jahrzehnt hoher Wachstumsraten und steigender Privateinkommen verkauften sich Chryslers wie warme Semmeln. Vor allem der Sportgeländewagen Jeep wurde zum Statussymbol Besserverdienender.

Nachdem der legendäre Konzernlenker Lee Iacocca, der 1980 ein staatliches Rettungspaket in Milliardenhöhe annahm und bei Chrysler das Ruder herumriss, in den Ruhestand trat, ging es bei der Traditionsfirma wieder bergab. Das Unternehmen verschlief die "grüne Welle" und verkannte eine wichtige Marktchance, als man sich nämlich weiterhin auf die Fertigung spritsaufender Straßenkreuzer konzentrierte, anstatt die steigende Nachfrage nach sparsameren kleinen Modellen zu befriedigen.

Die Elefantenhochzeit mit Daimler Benz sollte aus amerikanischer Sicht dazu dienen, das Image aufzupolieren und Chrysler als Qualitätsmarke zu verkaufen, erwies sich aber für beide Konzerne als peinlicher Flop.

Viele Amerikaner sind skeptisch

Die Lage auf dem US-Automarkt bleibt schlecht. Im April mussten viele Hersteller im Jahresvergleich Absatzeinbrüche von 30 bis 40 Prozent verkraften. Chrysler verabschiedete sich in die Insolvenz mit einem Einbruch von 48 Prozent auf 76700 Fahrzeuge.

Bei Daimler gab es ein Minus von 30,7 Prozent, der BMW-Konzern sackte um 38,4 Prozent ab. VW kam mit einem Minus von 16,1 Prozent glimpflich davon.

Schließlich entzieht sich das Unternehmen nun dem Zugriff seiner Gläubiger und bekommt eine Chance, sich neu zu organisieren und gestärkt aus der Partnerschaft mit Fiat hervorzugehen. Ob das gelingt, bleibt abzuwarten. Viele Amerikaner sind skeptisch und begreifen nicht, dass die Insolvenz zwar Zahlungsunfähigkeit widerspiegelt, aber keine richtige "Pleite" ist.

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