Bis 2020 wird etwa jeder dritte Inhaber im Rentenalter sein. Der Branche fehlt der Nachwuchs.

Pharmazie

Caroline Seidel

Berlin. Pharmaziestudenten haben blendende Aussichten auf sichere Jobs. Doch der einstige Traumberuf mit hohem Sozialprestige hat längst auch Schattenseiten: Der Großteil der Branche verdient vergleichsweise wenig – und selbst die eigene Apotheke ist kein Selbstläufer mehr.

Für ein Pharmaziestudium sind sehr gute Abi-Noten Pflicht

Die 50.000 Apotheker in Deutschland sind überaltert: Bis 2020 wird etwa jeder dritte Apothekeninhaber im Rentenalter sein. Werden die angestellten Apotheker mit berechnet, geht laut ABDA in den nächsten zehn Jahren jeder Fünfte in Rente. Der Arbeitsagentur zufolge waren 2009 im Schnitt nur 550 Apotheker arbeitslos. Auch die Zahl der 12.000 Studierenden wird sich absehbar nicht erhöhen, weil Laborplätze begrenzt sind.

Doch die Wahl muss gut überlegt sein: Für einen garantierten Studienstart wird je nach Bundesland eine Abi-Note zwischen 1,1 und 1,5 benötigt. Das Studium an den 22 Unis und die Staatsexamina gelten als überaus hart. Apotheker sind absolute akademische Elite – und dann gibt es im ersten Berufsjahr gerade einmal 3.088 Euro brutto. Im elften Berufsjahr ist die höchste Tarifstufe erreicht: 3.745 Euro.

Zum Vergleich: Ein Unter-30-jähriger Arzt bekommt als Angestellter in einem kommunalen Krankenhaus gut 4.000 Euro brutto, hat das Statistische Bundesamt errechnet. Mit Mitte 40 sind es 7.300 Euro – ein angestellter Apotheker hat nur die Hälfte. Er verdient mit Mitte 40 nur 1.000 Euro brutto mehr als ein Lokführer.

Experten bringen schon „Hausapotheken“ ins Gespräch

Aus Sicht von Markus Lüngen vom Institut für Gesundheitsökonomie an der Uni Köln bieten die demografisch begründeten Schließungen von Apotheken auch Chancen. „In der Summe herrscht ja Überversorgung“, sagt er. So wie Patienten schon heute einen Hausarzt haben, wäre auch eine zentralere Apothekenstruktur denkbar – so wie in Skandinavien. Eine zentrale „Hausapotheke“ könnte auch die Krankengeschichte der Kunden besser verfolgen und effektiver vor Nebenwirkungen warnen. Und noch ein Tabu, zumindest aus Sicht der Apotheker, spricht Lüngen an: Ärzte könnten Arznei direkt ausgeben.

In Hessen werden bereits Video-Apotheken getestet

Mit 3.800 Einwohnern je Apotheke liegt Deutschland im europaweiten Vergleich im Mittelfeld. Die Spanne in der Statistik ist groß: So kommen beim Spitzenreiter Griechenland 1.200 Menschen auf eine Apotheke, in Dänemark sind es 16.800.

Die Einwohner im Saarland haben rein rechnerisch die meisten Apotheken vor der Tür. Dort kommt jede Apotheke statistisch auf gut 3000 mögliche Kunden. Am anderen Ende der Liste steht das Flächenland Brandenburg mit rund 4350 Einwohnern pro Apotheke. Das ist im Vergleich zum Saarland 45 Prozent mehr Kundenpotenzial.

Neben dieser Bundeslandrechnung entscheiden im Einzelfall die Gegebenheiten am Ort – etwa die Konkurrenzsituation, die lokale Einwohner- und Ärztedichte oder die Kaufkraft und Altersstruktur der Kundschaft.

Laut Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) gibt es 58.000 Apotheker. 12.000 junge Menschen studieren Pharmazie. Fast alle werden in den 20.000 Apotheken unterkommen – dort arbeitet mit 50.000 Apothekern der Großteil der Branche, nur wenige Tausend haben Jobs in Krankenhausapotheken, Industrie, Unis oder Verwaltungen.

Daten vom ABDA unter http://dpaq.de/Qzfjl

In Hessen hat die Firma CoBox übrigens bereits 15 Video-Apotheken aufgebaut. In ihnen sprechen Kunden über Bildschirm mit dem Apotheker in der fernen „echten“ Apotheke. Die bestellten Medikamente kommen per Bote nach Hause. Diese Geschäftsidee scheint Zukunft zu haben. Die Box kostet monatlich etwa so viel wie ein Teilzeit-Apotheker.

Destatis-Publikation Verdienste nach Beruf unter http://dpaq.de/6UneX

Numerus Clausus für Pharmazie http://dpaq.de/QBl5l

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