Einige Experten schließen sogar eine Parität zum Dollar nicht mehr aus.

Frankfurt. Die europäische Schuldenkrise treibt die Anleger aus dem Euro. Am Montag ist die Gemeinschaftswährung zeitweilig mit gut 1,22 Dollar auf den tiefsten Stand seit vier Jahren gefallen. Damit kostet sie weniger als im Herbst 2008, als mit der Pleite des traditionsreichen US-Bankhauses Lehman Brothers die turbulentesten Zeiten der Finanzkrise anbrachen. Einige Experten schließen sogar einen Fall auf "Parität", also ein Eins-zu-Eins-Verhältnis zum Dollar, nicht mehr gänzlich aus. Weniger als einen Dollar hatte der Euro nur in seinen Anfangsjahren gekostet.

Der gigantische Rettungsschirm zeigt fast keine Wirkung

Die seit Jahresbeginn währende und zuletzt verschärfte Talfahrt des Euro ist um so erstaunlicher, als die europäischen Staaten unlängst einen gigantischen Rettungsschirm für finanzschwache Länder beschlossen haben. Im Notfall steht demnach eine dreiviertel Billion Euro bereit, sollten sich einzelne Euro-Länder nicht mehr am Kapitalmarkt refinanzieren können.

Die Märkte glauben nicht an eine Haushaltsdisziplin der Länder

Dieses beispiellose Auffangnetz kuriert zwar an den Symptomen der Schuldenkrise, es setzt aber nicht an der Ursache an: "Mehr und mehr wird deutlich, dass die jüngsten Notmaßnahmen zwar die kurzfristigen Refinanzierungsrisiken der Euroland-Staaten beiseite gefegt haben", heißt es bei der HSH Nordbank.

Die eigentliche Herkules-Aufgabe einer nachhaltigen Haushaltsdisziplin und einer höheren Wettbewerbsfähigkeit sei von vielen Ländern aber noch zu erbringen. Wie die Talfahrt des Euro zeigt, trauen die Märkte den Euro-Ländern offenbar nicht zu, den mitunter bereits eingeschlagenen Sparkurs auch beizubehalten.

Verstärkt wird der Abwärtstrend zwar auch von Investoren oder "Spekulanten", die auf einen schwachen Euro setzen. Volkswirte betonen aber, dass der Sinkflug des Euro einen realen Hintergrund hat, nämlich die maroden Staatsfinanzen im Euroraum. "Die Euro-Schwäche wäre ohne gute Gründe nicht möglich", urteilen auch die Devisenexperten der Commerzbank. Spekulanten könnten Trends zwar verstärken, Entwicklungen aber kaum selbst herbeiführen.

Erschwerend kommt hinzu, dass die US-Wirtschaft nach der schweren Rezession zusehends Fahrt aufnimmt. Bereits seit Wochen überraschen amerikanische Konjunkturdaten fast ausnahmslos positiv. Dies setzt den Euro zusätzlich unter Druck.

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