Bei Engpässen könnten sich die EU-Länder gegenseitig helfen. Aber viele Ost-Staaten sind noch nicht am EU-Netz.

Frankfurt/Brüssel. Der Gas-Streit zwischen Kiew und Moskau heizt die Debatte um die Versorgungssicherheit in Europa an. Während in einigen osteuropäischen Staaten schon mit Gas gespart werden muss, verweisen insbesondere deutsche Versorger auf ihre großen Speicher-Reserven. Nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) gibt es 46 unterirdische Gasspeicher in Deutschland.

Sie können bis zu 20 Milliarden Kubikmeter aufnehmen - knapp ein Viertel des 2007 verbrauchten Erdgases. Außerdem sind weitere 15 Untertage-Gasspeicher im Bau oder in Planung. Sie sollen noch mal ein Volumen von mehr als drei Milliarden Kubikmetern bringen.

Noch wichtiger wäre aber, dass Europas Regierungen ihre eigenbrötlerische Energiepolitik aufgeben. Während Länder wie Belgien vor Gas strotzen, fürchten sich Bulgarien und andere, die von rettenden Gashilfen aus dem Westen fast abgeschnitten sind, vor eiskalten Wohnungen und Fabriken auf Sparflamme.

Beim deutschen Nachbarn ist die Pipeline-Gesellschaft "Fluxys" stolz, dass von 48 Milliarden Kubikmetern aus Norwegen importiertem Gas jährlich nur 17 Milliarden Kubikmeter in Belgien benötigt und verfeuert würden, aber bis zu 80 Milliarden Kubikmeter locker durch die neuen Leitungen passten. Das belgische Pipeline-Netz knüpft aber bisher nur an Deutschland, Norwegen, Großbritannien, Frankreich, die Niederlande und Luxemburg an.

Seit 2004 gibt es einen EU-Plan zur Sicherung der Erdgasversorgung

2004 wurden von den EU-Regierungen auch "Maßnahmen zur Gewährleistung der sicheren Erdgasversorgung" beschlossen, und zwar "bei Eintreten einer Situation, die zu einer größeren, über einen erheblichen Zeitraum andauernden Gasversorgungsunterbrechung führen kann".

Treffen Mitten im Gas-Streit hat sich der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) am Mittwoch mit dem russischen Regierungschef Wladimir Putin getroffen. Angesichts des Lieferstopps von russischem Gas durch die Ukraine betonten die befreundeten Politiker die Bedeutung der Ostsee-Pipeline Nord Stream. Schröder, der Aufsichtsratsvorsitzender von Nord Stream ist, sagte, dass die Pipeline im Oktober 2011 ans Netz gehen soll.

Vorschlag Putin und Schröder begrüßten auch den Vorschlag von Bundeskanzlerin Angela Merkel, internationale Beobachter in die Ukraine zu entsenden. Russland wirft Kiew "Gas-Diebstahl" vor.

Nord stream Das 2005 gegründete Unternehmen ist ein Konsortium, an dem auch die deutschen Unternehmen BASF/Wintershall und Eon Ruhrgas beteiligt sind. Gazprom hält 51 Prozent. Mit der Ostsee-Pipeline könnten 2012 mehr als 25 Millionen europäische Haushalte mit Energie versorgt werden.

Der Haken: Die Brüsseler EU-Kommission darf in einer solchen Situation nur hilfreiche Vorschläge machen, aber nichts beschließen. Wie weit die Solidarität unter den EU-Staaten im Ernstfall reicht, steht also in den Sternen.

Die großen Konzerne wollen zudem in neue Pipeline-Projekte investieren, um ihre Abhängigkeit von einzelnen Ländern und Transportrouten zu reduzieren: Die Leitungen Nabucco und South Stream sollen Gas aus Zentralasien und der Schwarzmeer-Region via Türkei nach Europa pumpen. Nord Stream soll russisches Gas durch die Ostsee nach Deutschland transportieren.

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