Der Bauboom ist atemberaubend, doch das Emirat Dubai steht vor einem finanziellen Debakel.

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Mit der Einweihung des Burj Dubai, des höchsten Turms der Welt, hat das Golfemirat wieder einmal seine grenzenlosen Ambitionen deutlich gemacht.

Mit der Einweihung des Burj Dubai, des höchsten Turms der Welt, hat das Golfemirat wieder einmal seine grenzenlosen Ambitionen deutlich gemacht.

Reuters

Mit der Einweihung des Burj Dubai, des höchsten Turms der Welt, hat das Golfemirat wieder einmal seine grenzenlosen Ambitionen deutlich gemacht.

Dubai. Der Hang zu Superlativen ist in Dubai ungebrochen. Mit der Einweihung des Burj Dubai, des höchsten Turms der Welt, hat das Golfemirat wieder einmal seine grenzenlosen Ambitionen deutlich gemacht. Doch in der Staatskasse sieht es düster aus.

Schuld daran sind auch die gigantischen Bauprojekte des Wüstenstaates. Zwischen allem Pomp um den riesigen Wolkenkratzer herrscht in Dubai weiter Angst vor der finanziellen Katastrophe. Der von vielen Beobachtern vorhergesagte Bankrott scheint zwar abgewendet. Der einst boomende Immobiliensektor des Landes befindet sich jedoch in einer schweren Krise.

Für die Welt sichtbar wurde diese Ende November, als das Emirat seine Gläubiger überraschend um einen Zahlungsaufschub für den verschuldeten Staatsfonds Dubai World bat. Die Börsen weltweit traf die Nachricht wie ein Schock. In allerletzter Minute half ein zehn Milliarden Dollar (sieben Milliarden Euro) schwerer Kredit des reichen Nachbarn Abu Dhabi, die fälligen Schulden zu bezahlen. Dubai World überwies an die Gläubiger seiner ebenfalls in die Krise geratenen Immobilientochter Nakheel 4,1 Milliarden Dollar.

Ende Dezember begann der Staatsfonds Verhandlungen über eine Umschichtung der Schulden in Höhe von 22 Milliarden Dollar. Die Gesamtschulden Dubais bewegen sich Schätzungen zufolge aber in einem ganz anderen Rahmen: Das Emirat, das nur über wenige Ölreserven verfügt, soll eine Schuldenlast von rund 100 Milliarden Dollar tragen.

Dubais Immobilienpreise brechen derzeit massiv ein

Experten rechnen damit, dass viele Ausländer dem Land nun den Rücken kehren. "90 Prozent der Bevölkerung sind Ausländer, 50 Prozent der Erwerbstätigen haben einen Job im Bau- oder im Immobiliensektor. Die Bevölkerung wird um acht Prozent schrumpfen", schätzt Immobilien-Analyst Saud Masud von der USB-Bank. Entsprechend weniger Wohnraum werde nachgefragt. Die Immobilienpreise, bereits um 50 Prozent eingebrochen, werden weiter nachgeben, sagt Masud. Immer mehr Bauprojekte würden auf Eis gelegt.

Edelstahl für die Fassade, Karusselltüren für den Eingang und Parkett für 900 Appartements: Vom Bau des höchsten Gebäudes der Welt (das Foto zeigt die Aussichtsplattform des Burj Dubai) profitieren eine Reihe von Firmen aus NRW. Einige von ihnen zogen die größten Aufträge ihrer Unternehmensgeschichte an Land.

So fertigte ThyssenKrupp Nirosta in Krefeld rund 400 Tonnen Edelstahl für den Wolkenkratzer. Er wurde vor dem Einbau an anderen Standorten weiterverarbeitet. Bei der Auswahl des Werkstoffes für Teile der Fassade sei es aber nicht nur auf die Widerstandskraft gegen Umwelteinflüsse und auf die architektonischen Schönheit angekommen. Das Material soll in der Sonne nicht zu stark spiegeln.

Die Ennepetaler Firma Dorma stattete mit einem Partner rund 13 000 Türen aus. Mit einem Umsatzvolumen von über zehn Millionen Euro ist das einer der größten Aufträge in der Unternehmensgeschichte.

Schon heute gehören leerstehende Villen und Apartmenthäuser zum Stadtbild in Dubai, und die hochtrabendsten Pläne bleiben vorerst in der Schublade. Auch der Bau eines Turms, der mit einer sagenhaften Höhe von einem Kilometer sogar den Burj Dubai in den Schatten stellen soll, ist erst einmal aufgeschoben.

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