Luftfahrt: Europäer erzielen Rekorde im Krisenjahr. Probleme bereitet der Militär-Transporter.

wza_653x1500_612737.jpeg
Ein Blick in die Produktionshallen von Airbus in Hamburg-Finkenwerder. Dort wird unter anderem der A319 montiert.

Ein Blick in die Produktionshallen von Airbus in Hamburg-Finkenwerder. Dort wird unter anderem der A319 montiert.

dpa

Ein Blick in die Produktionshallen von Airbus in Hamburg-Finkenwerder. Dort wird unter anderem der A319 montiert.

Sevilla. Der europäische Flugzeugbauer Airbus hat im Krisenjahr 2009 erneut einen Absatzrekord aufgestellt. Das Unternehmen lieferte 498 Flugzeuge aus, 15 mehr als im Jahr zuvor. Damit übertrumpfte Airbus seinen Rivalen Boeing zum siebten Mal in Folge. Unerwartet deutlich distanzierte Airbus Boeing bei den Aufträgen 2009. Airbus verbuchte 310 Aufträge, Boeing nur 263. Weil die Kunden zudem nur 39 Flugzeuge abbestellten, blieben Airbus 271 Bestellungen für 30,3 Milliarden Dollar übrig. Boeing holte netto nur 142 Order herein. Für dieses Jahr wolle der Konzern die Herstellung "auf dem Niveau von 2008/2009 halten", erklärte Airbus-Chef Tom Enders. "Über den Berg sind wir noch nicht."

Der A400 macht monatlich mehr als 100 Millionen Euro Verlust

Die wichtigste Aufgabe in den kommenden Wochen bestehe darin, eine "solide Finanzbasis" für die Problemmaschine A400M zu sichern. Der europäische Militärtransporter liegt mindestens drei Jahre hinter dem Plan zurück. Nach neun Monaten intensiver Diskussion sei es jetzt "Zeit für Entscheidungen", betonte der deutsche Unternehmenschef. Er schlage Alarm, weil er für die Lebensfähigkeit des gesamten Unternehmens sorgen müsse. Die sieben Bestellnationen - mit Deutschland und Frankreich als Großkunden - wollen morgen erneut darüber beraten, wie die explodierenden Mehrkosten aufgeteilt werden.

Die verspätete A400M kostet die Tochterfirma des deutsch-französischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS monatlich "etwa hundert Millionen Euro", wie Enders bei der Vorstellung der Bilanz im spanischen Sevilla sagte. Das gesamte Programm könnte damit bis zu elf Milliarden Euro mehr kosten als ursprünglich vorgesehen. Enders dringt auf eine Grundsatzeinigung mit den Kunden über die Kostenteilung bis Ende Januar.

"Wir sind bereit, den Großteil der finanziellen Lasten zu tragen. Aber die Regierungen müssen jetzt einen beträchtlichen Beitrag leisten", sagte Enders. Die Chancen stünden 50:50. "Bisher haben wir nicht einmal richtige Verhandlungen." Es werde einen "sehr intensiven Diskussionsprozess in den nächsten zwei bis drei Wochen" geben. "Auf der Grundlage des Ergebnisses werden wir über die Zukunft des A400M entscheiden."

An dem Projekt hängen mehr als 40000 Arbeitsplätze

EADS-Chef Louis Gallois nannte drei Grundsatzfehler beim A400M-Vertrag: Man habe eine Frist von 6,5 Jahren vereinbart, obwohl vergleichbare Programme mindestens zwölf Jahre dauerten. Man habe einen Festpreis akzeptiert und man habe zugelassen, dass die Staaten den Triebwerklieferanten auswählen. Alle hätten zugestimmt und müssten nun "die Lasten teilen". Schon jetzt brächten die ersten 180 Flugzeuge 2,4 Milliarden Euro Verlust. An dem Projekt hängen gut 40000 Arbeitsplätze in Europa.

Rückschläge erlebte Airbus bei seinem Prestigeprojekt A380. Das Unternehmen konnte sogar sein auf magere zwölf Maschinen gekürztes Produktionsziel für den Super-Airbus A380 nicht einhalten und lieferte nur zehn Exemplare ab. 2010 soll der A380 aber durchstarten. "Wir wollen mindestens 20 Maschinen abliefern", sagt Enders. Der A380 werde über die Laufzeit von 40 Jahren ein Gewinnbringer.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer