Chicago/Paris (dpa) - Der Titel des weltgrößten Flugzeugbauers geht zum wiederholten Male an Airbus. Der US-Erzrivale Boeing konnte die Zahl seiner Auslieferungen im vergangenen Jahr zwar auf 477 Maschinen steigern, wie der Konzern am Donnerstag am Firmensitz in Chicago verkündete.

Doch Airbus kommt nach Angaben aus Branchenkreisen auf mehr als 530 Jets. Es seien «einige Exemplare» mehr ausgeliefert worden als ursprünglich geplant, erfuhr die Nachrichtenagentur dpa. Boeing dagegen erfüllte seine eigene, zuletzt noch gesenkte Planung von rund 480 Maschinen nur knapp. Im Jahr zuvor hatten 462 Maschinen die Werkshallen der Amerikaner verlassen. Airbus wird am 17. Januar genaue Zahlen verkünden.

Der Rückstand von Boeing ist letztlich aber nur ein Schönheitsfehler. «Das vergangene Jahr war eines der spannendsten und wichtigsten in der Geschichte von Boeing», erklärte Verkehrsflugzeug-Chef Jim Albaugh. Zahlreiche Großaufträge trieben die Bestellungen auf unterm Strich 805 Stück hoch. Im Jahr 2010, als den Fluggesellschaften noch die Rezession in den Knochen steckte, hatte Boeing Aufträge über 530 Maschinen eingesammelt.

Angesichts einer überalterten Flotte, schärferer Umweltauflagen, höherer Kerosinpreise und steigender Passagierzahlen in den Schwellenländern hatten die Fluggesellschaften im vergangenen Jahr massenhaft Bestellungen aufgegeben. Airbus hatte dabei mit seinem modernisierten Kurz- und Mittelstreckenjet A320neo mächtig abgeräumt. Boeing entschied sich daraufhin, sein eigenes Modell ebenfalls zu renovieren und als 737 MAX auf den Markt zu bringen.

Für den Flieger lägen inzwischen mehr als 1000 feste Bestellungen und Absichtserklärungen vor, sagte Marketingchef Randy Tinseth. Er zeigte sich optimistisch für 2012. «Wir erwarten ein sehr gutes Jahr.» Selbst ohne eine einzige neue Bestellung hätte Boeing auf Jahre hinaus Arbeit: In den Büchern standen zum Jahresende 3771 Maschinen. Tinseth geht davon aus, dass der Auftragsbestand weiter steigt.

Nach jahrelangen Verzögerungen konnte Boeing im vergangenen Jahr auch die ersten drei Langstreckenmaschinen vom Typ 787 «Dreamliner» ausliefern und unterm Strich 13 neue Bestellungen für den Hoffnungsträger einsammeln. Das Flugzeug, dessen Rumpf großteils aus neuen Verbundmaterialien besteht, hatte sich in der Entwicklung und Fertigung als Problemfall erwiesen. Binnen zwei Jahren will Boeing die Produktion nun von 2,5 auf 10 Maschinen im Monat hochschrauben. Airbus' Gegenentwurf A350 ist noch in der Entwicklung.

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