Firmensitz von Agravis in Hannover: Deutschlands zweitgrößter Agrarhändler Agravis stellt sich auf Einbrüche bei den Erntemengen ein.
Firmensitz von Agravis in Hannover: Deutschlands zweitgrößter Agrarhändler Agravis stellt sich auf Einbrüche bei den Erntemengen ein.

Firmensitz von Agravis in Hannover: Deutschlands zweitgrößter Agrarhändler Agravis stellt sich auf Einbrüche bei den Erntemengen ein.

dpa

Firmensitz von Agravis in Hannover: Deutschlands zweitgrößter Agrarhändler Agravis stellt sich auf Einbrüche bei den Erntemengen ein.

Hannover/Oldenburg (dpa) - Deutschlands zweitgrößter Agrarhändler Agravis richtet sich wegen des anhaltend trockenen Wetters auf einen möglichen Einbruch der Erntemenge und noch höhere Getreidepreise ein.

«Die Landwirte gucken im Moment nur auf die Wetterkarte», sagte Vorstandschef Clemens Große Frie im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa vor der Hauptversammlung des Unternehmens am Dienstag in Oldenburg. Die Pflanzen bräuchten dringend Feuchtigkeit.

«Unsere Experten sagen schon jetzt: Eine Ernte wie letztes Jahr, die gerade mal unterdurchschnittlich war, wird wohl nicht erreicht», sagte Große Frie. Die Knappheit bei Agrarrohstoffen werde sich womöglich noch verschärfen. Durch die steigenden Preise könnten viele Bauern und Händler aber Einbußen beim geernteten Volumen ausgleichen.

Wegen der geringen Angebots an Getreide und Ölpflanzen dürften die Agrargenossenschaften in Norddeutschland aktuell zwar gut verdienen. «Auf der anderen Seite laufen wir aber Gefahr, ausgerechnet in der Ernte-Hochphase auf ein sehr hohes Preisniveau zu kommen», schränkte der Vorstandschef ein. «Dann hat kein Händler gern zu hohe Bestände.»

An der Pariser Warenterminbörse schwankten die Getreidepreise zuletzt wieder erheblich - Ausschläge von bis zu 40 Euro je Tonne innerhalb von zwei Stunden stellen die Risikoabsicherung laut Große Frie vor enorme Herausforderungen. Ähnlich wie in der Kautschuk-, Öl- und Stahlindustrie würden Termingeschäfte weiter auf möglichst kurze Fristen umgestellt, um rechtzeitig reagieren zu können. «Das ist schon abenteuerlich.» Die Händler rechneten mit einem November-Preis beim Korn von 220 Euro je Tonne, ein Drittel sei bei Agravis schon unter Vertrag. «Infolge der Trockenheit und der weltweiten Lage erwarten wir aber, dass er noch ein bisschen ansteigen kann.» Dies eröffne den Bauern selbst bei schlechter Ernte gute Verdienstchancen.

Agravis ist nach dem Münchner Konkurrenten BayWa die Nummer zwei im deutschen Agrarhandel. Neben dem traditionellen Geschäft mit Getreide und Saaten sowie Futter-, Dünge- und Pflanzenschutzmitteln ist der Konzern in der Landtechnik, Baustoff- und Mineralölbranche aktiv. Vor kurzem stieg das Unternehmen zudem in den Vertrieb von Erdgas ein. «Die Nachfrage ist erstaunlich gut», berichtete Große Frie, ohne jedoch Zahlen zu nennen. «Wir sind guten Mutes.»

Nach einem Umsatz von 5,4 Milliarden Euro 2010 erwartet Agravis in diesem Jahr weitere Zuwächse - auch dank sinkender Kosten. So will Große Frie den gemeinsamen Einkauf von Rohstoffen aus Südamerika mit dem dänischen Partner DLA Agro ausbauen. Die Dioxinkrise belaste das Unternehmen nicht mehr, betonte er: «Erst nach Prüfung auf Dioxin und Absprache mit den Futterfett-Lieferanten kommt die Ware zu uns. Es bereitet uns kein Problem, wenn Kontrollkorridore noch enger werden.»

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