Hochtief
Hochtief wehrt sich seit Monaten gegen die geplante Übernahme. (Archivbild)

Hochtief wehrt sich seit Monaten gegen die geplante Übernahme. (Archivbild)

dpa

Hochtief wehrt sich seit Monaten gegen die geplante Übernahme. (Archivbild)

Madrid/Essen (dpa) - Die feindliche Übernahme des größten deutschen Baukonzerns Hochtief ist in greifbare Nähe gerückt: Der spanische Großaktionär ACS hat seinen Anteil an Hochtief über die wichtige 30-Prozent-Marke gehievt.

Man halte nun exakt 30,33704 Prozent der Hochtief-Aktien, teilte ACS am Dienstag mit. Als Reaktion auf ihre Übernahmeofferte erhielten die Spanier rund 2,4 Millionen Hochtief-Anteilsscheine - und knackten damit die so wichtige 30-Prozent-Schwelle. Nach dem deutschen Übernahmegesetz muss ACS damit kein weiteres, womöglich sehr kostspieliges Pflichtangebot an die Hochtief-Aktionäre mehr abgeben und kann stattdessen beliebig Hochtief-Aktien zukaufen.

Erklärtes ACS-Ziel sind knapp über 50 Prozent an Hochtief. Das Hochtief-Management und der Betriebsrat wehren sich seit Monaten heftig gegen die geplante Übernahme. Hintergrund ist auch die Furcht um bis zu 11 000 Hochtief-Arbeitsplätze in Deutschland.

Für die fehlenden rund 20 Prozent müsste der hoch verschuldete spanische Konzern nach dem derzeitigen Aktienkurs lediglich rund eine Milliarde Euro ausgeben, da der Aktienkurs von Hochtief seit langem recht niedrig ist. Einen festen Zeitplan für die Mehrheitsübernahme hat ACS offiziell nicht mitgeteilt.

Die Schlacht scheine geschlagen, wobei sie noch nicht endgültig zu Ende sei, sagte Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Sollte ACS schon auf der Hochtief-Hauptversammlung am 12. Mai die Mehrheit der Stimmen stellen, könnten die Spanier schon dann durchgreifen. Dann werde sich zeigen, ob ACS versuche, das Heft bei Hochtief schnell in die Hand zu nehmen, etwa um wichtige Positionen im Aufsichtsrat neu zu besetzen. Verlierer des Übernahmekampfs sind Tüngler zufolge die freien Aktionäre, die von dem spanischen Baukonzern kein faires Übernahmeangebot erhalten hätten.

Endgültig wird das ACS-Übernahmeangebot erst Anfang Februar abgeschlossen sein. An die abgelaufene Offerte schließt sich ab dem 5. Januar eine gesetzlich vorgesehene zweite Annahmefrist bis zum 18. Januar an, deren Ergebnis am 21. oder 24. Januar veröffentlicht werden soll. Dann folgt eine Rücktrittsfrist von sieben Bankarbeitstagen, so dass voraussichtlich am 3. oder 4. Februar das endgültige Ergebnis vorliegt.

In der nun abgeschlossenen ersten Phase des Übernahmeverfahrens wurden ACS rund 2,375 Millionen Hochtief-Aktien zum Tausch angeboten. Kreisen zufolge dürfte dafür vor allem der Hochtief-Großaktionär Southeastern verantwortlich sein: Dieser hatte im Dezember angekündigt, rund zwei Millionen Hochtief-Aktien abgeben zu wollen.

Ein Hochtief-Sprecher wollte das Ergebnis des Übernahmeangebots auf Anfrage nicht kommentieren und verwies auf die noch ausstehenden Fristen. Hochtief-Betriebsratschef Siegfried Müller kündigte in einem Gespräch mit dem «Handelsblatt» die Aufnahme von Gesprächen mit ACS an. Der Betriebsrat forderte dabei von ACS den rechtsverbindlichen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis 2016. Bislang hat ACS lediglich der Gewerkschaft IG Bau Zusagen zum Erhalt der Arbeitsplätze bis 2013 gemacht.

Schwere Vorwürfe gegen die Bundesregierung erhob die SPD. Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier sagte den Zeitungen der «WAZ- Mediengruppe» (Mittwoch), die Bundesregierung habe im Fall Hochtief «keinen Finger gerührt». Nun gehe nicht nur die Ära des größten deutschen Bauunternehmens zu Ende. «Den Schaden haben die Arbeitnehmer zu tragen, von denen viele um ihren Arbeitsplatz fürchten.» Die Regierung habe der Übernahme durch ACS tatenlos zugeschaut. Die SPD wolle die in Deutschland geltenden Schwellen für feindliche Übernahmen anheben.

Leserkommentare (1)


() Registrierte Nutzer