„Made in Germany“ sollte einst deutsche Produkte blockieren. Am Ende wurde es zum Markenzeichen.

Wirtschaftsgeschichte
Schon James Dean (r.), 1955 verunglückter US-Schauspieler, liebte „Made in Germany“: den Porsche.

Schon James Dean (r.), 1955 verunglückter US-Schauspieler, liebte „Made in Germany“: den Porsche.

dpa

Schon James Dean (r.), 1955 verunglückter US-Schauspieler, liebte „Made in Germany“: den Porsche.

Düsseldorf. Der Schuss ging nach hinten los: Mit dem Label „Made in Germany“ sollten vor 125 Jahren deutsche Produkte in Großbritannien diskriminiert werden. Die Idee wurde zum Erfolgsrezept – allerdings für deutsche Hersteller.

Das britische Handelsmarkengesetz vom 23. August 1887 gilt als Geburtsstunde des heute weltweit bekannten Labels. Hintergrund waren Konkurrenz-Sorgen von Messerherstellern aus Sheffield, die auf Maßnahmen gegen unliebsame Billigheimer vom Kontinent drängten.

Briten wollten signalisieren: Achtung, schlechte Qualität

Doch das Londoner Parlament stand vor einem Dilemma: „Die Briten hätten Schutzzölle hochziehen können, doch als Exportnation profitierte das Land selbst davon, dass es weltweit so relativ wenig Zölle gab“, beschreibt Dieter Ziegler, Professor für Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte an der Bochumer Ruhr-Universität, die Situation.

Auf Druck der Hersteller musste jedoch gehandelt werden. „Das Made-in-Germany-Gesetz war ein Kompromiss“, beschreibt der Historiker die verzwickte Lage. „Man schließt deutsche Waren nicht aus, indem man sie mit Zöllen belegt, aber man signalisiert britischen Verbrauchern: Achtung – was du hier kaufst ist zwar billig, aber auch schlecht.“

Schon bald galt „Made in Germany“ als Gütesiegel

Nach einer Ende des 19. Jahrhunderts einsetzenden Aufholjagd deutscher Produzenten in Sachen Qualität entdeckten viele Verbraucher jedoch schon bald die Qualität der importierten Produkte. „Heute ist es ein Qualitätssiegel, auf das viele deutsche Unternehmen großen Wert legen“, sagt Olaf Plötner, Fakultätsmitglied der European School of Management and Technology in Berlin.

Verpassen kann sich jeder Hersteller das Label selbst – vorgeschrieben ist eine Herkunftsbezeichnung in Deutschland nicht. „Es ist aber nicht unverbindlich“, warnt Volker Treier vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag. Notfalls müsse das Werbeversprechen auch einer gerichtlichen Überprüfung standhalten können. Dabei reiche es jedoch in der Regel aus, wenn 45 Prozent der Wertschöpfung in Deutschland erbracht wurden.

Vor allem für mittelständisch geprägte Unternehmen, die nicht über ein bekanntes Firmenlogo verfügten, sei das „Made in Germany“ unverzichtbar, berichtet Volker Treier, Bereichsleiter International beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag. „Es ist für den Exporterfolg nicht wegzudenken“, sagt er.

Andere – wie etwa Porsche – setzen auf den eigenen Namen

Manche Unternehmen wie der Automobilhersteller Porsche versprechen sich vom „Made in Germany“ keinen großen Werbeeffekt mehr, weil das Produkt selbst schon seit jeher so urdeutsch daherkommt. „Porsche ist quasi der Inbegriff für „Made in Germany“, für uns ist das alles daher nicht so relevant und würde die Bekanntheit der Marke nicht mehr steigern“, sagt ein Sprecher des Stuttgarter Autobauers. Einen Werbespruch „Made in Germany“ findet Porsche überflüssig.

Begehrt ist das Label dagegen nach wie vor in Fernost – nicht nur bei den Kunden deutscher Produkte. Im Frühjahr hatte der chinesische Baumaschinenhersteller Sany mit der Übernahme des deutschen Betonpumpenbauers Putzmeister für Aufsehen gesorgt. Neben der Marke ging auch das Know-how des deutschen Qualitätsherstellers an die neuen Eigner. „Ich könnte mir vorstellen, dass Sany-Betonpumpen bald einen Qualitätssprung machen“, sagte Plötner.

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