Markus Söder
In der Partei hat Söder viele Unterstützer, besonders an der Basis und in der Landtagsfraktion. Foto: Amelie Geiger

In der Partei hat Söder viele Unterstützer, besonders an der Basis und in der Landtagsfraktion. Foto: Amelie Geiger

dpa

In der Partei hat Söder viele Unterstützer, besonders an der Basis und in der Landtagsfraktion. Foto: Amelie Geiger

München (dpa) - Seit der Bundestagswahl hat man von Markus Söder überraschend wenig gehört. Für seine Verhältnisse war der ehrgeizige CSU-Politiker in den vergangenen zwei Monaten relativ selten in den Medien präsent.

Und wenn, dann nur mit eher unspektakulären Sachthemen wie der Steuerschätzung, bewilligten Breitband-Förderbescheiden oder dem bayerischen Nachtragshaushalt.

Auch beim mit Spannung erwarteten Showdown zwischen der CSU-Landtagsfraktion und Parteichef Horst Seehofer gibt sich der 50-jährige Franke am Donnerstag in München zurückhaltend, spricht von guten Signalen und einem Prozess der Vertrauensbildung. Von großer Freude oder gar Euphorie ist nichts zu spüren.

Dabei dürfte Söder beruflich schon lange nicht mehr so viel Grund zur Freude gehabt haben: Auch wenn es noch keinen Beschluss gibt, hat sich die Tür in die bayerische Staatskanzlei für ihn ein Stück weit geöffnet. Jene Tür, die Parteichef und Ministerpräsident Horst Seehofer so lange und vehement zugehalten hat. Doch das ist Vergangenheit, das galt nur für die Zeit bis zur Bundestagswahl.

Mit dem historisch schlechten CSU-Ergebnis von 38,8 Prozent wuchs die Kritik am Parteichef, zugleich bekamen die ambitionierten Karrierepläne Söders neue Unterstützung. Eine Ämterteilung der beiden Alphatiere scheint greifbar nah.

Aus Sicht seiner Parteifreunde hat Söder mit seiner Zurückhaltung in den vergangenen Wochen jene Geduld bewiesen, die ihm viele nicht zugetraut haben. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Söder sich seine Zurückhaltung erlauben konnte, weil er zuvor nie einen Hehl aus seinen Karriereplänen gemacht hat: bayerischer Ministerpräsident und CSU-Chef, beide Posten sind aber seit 2008 in Seehofers Hand.

«Ab 50 beginnt im Leben eines Mannes die Zeit der Ernte», zitierte er Anfang des Jahres und kurz vor seinem 50. Geburtstag seinen Vater. Was das für ihn bedeute, werde die Zeit zeigen - persönlich wie politisch. Damals gingen sie in der CSU noch davon aus, dass Seehofer spätestens zur Landtagswahl 2018 in den Ruhestand geht, also ein friedlicher Übergang der Macht möglich wird.

Die Meinungen über Söder gehen in der CSU weit auseinander. Schon vor Jahren warf Seehofer ihm «charakterliche Schwächen» und einen «pathologischen Ehrgeiz» vor, Söder leiste sich «zu viele Schmutzeleien». Das Verhältnis ist sehr angespannt, fast immer herrscht eisiges Schweigen, einzig die Machtkonstellationen zwingen beide zur Zusammenarbeit. Von daher ist die Aussage Seehofers, er habe seit Mittwochabend «intensiven Kontakt» zu Söder, ein kleines Wunder.

In der Partei hat Söder viele Unterstützer, besonders an der Basis und in der Landtagsfraktion. Als Hardliner und akribischer Arbeiter im Finanzministerium hat er sich viel Respekt erarbeitet, rein fachlich lobt sogar Seehofer bisweilen seine Arbeit. Dagegen ist sein Image außerhalb Bayerns umstritten: Er gilt als Scharfmacher, Populist, Provokateur, Rechtsaußen. «Diese Kritik muss man wegstecken können. Wer mich kennt, weiß, dass mich diese Beschreibungen nicht richtig charakterisieren», sagt Söder.

Die CSU-Laufbahn des vierfachen Vaters lässt schon lange große Ziele vermuten: Seit 1983 ist der promovierte Jurist Parteimitglied, von 1995 bis 2003 war er Chef der Jungen Union Bayern. Seit 1994 ist er Landtagsabgeordneter, seit 1995 Teil des Präsidiums, von 2003 bis 2007 war er Generalsekretär unter Edmund Stoiber («mein Mentor und eine politische Vaterfigur»), seit 2007 ist er Minister.

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