Wiesbaden (dpa) - Auf den Demonstrationen des Anti-Islam-Bündnisses Pegida skandieren die Teilnehmer immer wieder «Lügenpresse», «Volksverräter» oder «Wir sind das Volk».

Experten der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in Wiesbaden erklären die ursprüngliche Bedeutung der Parolen der Bewegung «Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes»:

- Lügenpresse: Bereits zu Beginn des 20. Jahrhundert geläufig, erlebte das Wort um 1940 eine Renaissance. Dahinter standen laut GfdS immer völkische und nationalistische Anliegen, die die staatlich gelenkte «Lügenpresse» angeblich zu verschleiern versuchte. Aus Sicht der Protestierenden herrscht auch heute keine wirkliche Meinungsvielfalt oder Meinungsfreiheit. Aus ihrer Sicht bestimmen vielmehr Regierung oder System darüber, was veröffentlicht werden darf.

- Volksverräter: Der Volksverrat findet sich als Straftatbestand erstmals im Nationalsozialismus. Der heutige Gebrauch von «Volksverräter» zielt nach Angaben der Gesellschaft darauf ab, die gewählten Volksvertreter eben als Verräter an «ihrem» (sprich: dem deutschen) Volk zu bezeichnen. Vor der Zeit des Nationalsozialismus habe es den Straftatbestand des Hoch- und Landesverrats gegeben. Erst mit dem Wort Volksverrat habe die Straftat aber einen klaren Bezug zur Nationalität erhalten, da mit den bis dahin üblichen Bezeichnungen nicht auf eine völkische oder ethnische Zugehörigkeit Bezug genommen wurde.

- Abendland: Laut Wörterbuch Grimm ist die Bedeutung «westlich gelegenes Land», zunächst also rein geografisch und ohne Bezug zu einer bestimmten Nation, Kultur oder Religion. Ideologisch besetzt ist das Wort jedoch nach Angaben der Sprachforscher durch das Hauptwerk des Geschichtsphilosophen Oswald Spengler «Der Untergang des Abendlandes», das klare antidemokratische Züge aufweist. Spengler sah die abendländische Kultur im Untergang begriffen und hielt die freiheitliche Demokratie für ein (unausweichliches) Stadium zum Niedergang.

- Überfremdung: Im Duden bereits 1929 verzeichnet, 1993 Unwort des Jahres. Auch hier gibt es laut GfdS einen klaren Bezug zur Sprache des Nationalsozialismus. So sprach Joseph Goebbels 1933 von «Überfremdung des deutschen Geisteslebens durch das Judentum». Heutzutage seien eher andere Gruppen gemeint, das Wort habe sich hartnäckig gehalten.

- Wir sind das Volk: Ruf bei den Montagsdemonstrationen in der DDR, später abgewandelt zu «Wir sind ein Volk» - im Hinblick auf die Wiedervereinigung nach dem Mauerfall. Heute von Pegida aufgenommen - genau wie die Tradition der Montagsdemos - zur Abgrenzung gegenüber Zuwanderern, vor allem solchen muslimischen Glaubens.

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