Moskau/Berlin (dpa) - Das Blutbad auf dem Moskauer Flughafen Domodedowo hat eine Achillesferse der ansonsten meist gut abgesicherten Airports bloßgelegt - die öffentlich zugänglichen Ankunftsbereiche. Zwar werden Flugreisende vor Betreten der eigentlichen Sicherheitszonen peinlich genau kontrolliert.

Doch der Weg dorthin vom Flughafeneingang sowie zum Abholbereich wird meist weit weniger stark überwacht. Abhilfe schaffen könnte die Einführung scharfer Kontrollen auch an den Eingängen. Doch würden die Flughäfen dann zu modernen Festungen.

Grundsätzlich sind die technischen Sicherheitsvorkehrungen in Domodedowo nach Meinung von Experten mit denen westeuropäischer Airports durchaus vergleichbar. Zudem ist der in Westeuropa und den USA diskutierte «Nacktscanner» in Moskau bereits seit Jahren in Betrieb - und das ohne öffentliche Debatte. Dagegen gab es erschreckend nachlässige Kontrollen im Eingangsbereich. Die Schuld für diesen Missstand schoben sich Polizei und Flughafenleitung am Dienstag gegenseitig in die Schuhe.

Trotz des Anschlags in Moskau sieht zumindest die deutsche Polizei keinen Anlass für eine Erhöhung der Sicherheitsmaßnahmen auf deutschen Flughäfen. Zudem fehle es an ausgebildetem Personal, sagte Josef Scheuring, Chef der Bundespolizei in der Gewerkschaft der Polizei (GdP) am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa. «Wir haben alles, was wir haben, zur Terrorbekämpfung aufgestellt.» Und eine Ausweitung der Sicherheitszone etwa bis zu den Eingängen der Flughäfen sieht Scheuring kritisch. «Das könnte nur die ultima ratio sein.»

In Israel - selbst besonders häufig Ziel von Bombenanschlägen - ist das bereits Realität. Auf dem internationale Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv herrscht in allen Bereichen ein striktes Sicherheitssystem. Wie bei einer Zwiebel gibt es mehrere Ringe, die ein Passagier, Angehöriger oder Besucher durchlaufen muss, bevor er überhaupt in eine der Abflug- oder Ankunftshallen gelangt. Die erste Kontrolle beginnt bereits bei der Zufahrt zum Flughafen - Terrorkommandos oder Autobomben sollen so bereits Kilometer vor dem Terminal abgefangen werden.

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