Ein Deichbruch überflutet das Dorf Fischbeck in Sachsen-Anhalt. Foto: Jens Wolf
Ein Deichbruch überflutet das Dorf Fischbeck in Sachsen-Anhalt. Foto: Jens Wolf

Ein Deichbruch überflutet das Dorf Fischbeck in Sachsen-Anhalt. Foto: Jens Wolf

dpa

Ein Deichbruch überflutet das Dorf Fischbeck in Sachsen-Anhalt. Foto: Jens Wolf

Stendal/Bömenzien (dpa) - Bis zum letzten Moment versuchen die Helfer, den Damm bei Fischbeck an der Elbe zu halten. Vergebens. Auf mehr als 50 Meter rutscht der Deich weg, ungeheure Mengen Wasser fließen durch das Loch.

Der Katastrophe von Fischbeck folgt am Montag ein in der Hochwasserkrise Sachsen-Anhalts bislang einmaliger Vorgang: Das Land entmachtet den regionalen Krisenstab, will tausende Helfer und Soldaten im Landkreis Stendal nun selbst koordinieren.

Von den politischen Debatten, heiß gelaufenen Telefonen und vielen Gesprächen der Krisenstäbe untereinander bekommen die Helfer vor Ort nichts mit. Deichläufer Jürgen Peyer in der knallroten Warnweste läuft über den Eckdeich Berge, an dem das Elbewasser besonders hoch steht. Er ist einer der Wächter, die Lecks entdecken sollen, die sofort abgedichtet werden müssen.

In der Hand trägt er sein wichtigstes Arbeitsmittel: einen Stock mit einem roten Bändchen. Das soll er hineinstecken an die Stelle, an der er Wasser entdeckt, das mit besonders viel Erde versetzt ist. Im Gegensatz zu klarem Wasser, das sich üblicherweise im Deich befindet, zeigt es ein Leck im Deich an. «Bislang ist mir das noch nicht passiert», sagt Peyer.

Immerhin sei der Wasserstand der Elbe hier am Eckdeich Berge schon leicht gesunken, sagt der Bürgermeister der hiesigen Verbandsgemeinde, Eike Trumpf (CDU). An seiner Seite steht Hans-Hermann Haak von der technischen Einsatzleitung und ergänzt: «Das schafft eine gewisse Art Entspannung und Beruhigung bei den Einsatzkräften.»

Dieser Deich, an dem ein neues Teil an ein altes grenzt, sei nur noch von der Wasserseite aus zu verstärken, sagt Haak. Boote holen die Sandsäcke und dichten schwache Stellen ab. Rund 30 Bewohner eines anliegenden Polders sind gebeten, ihre Häuser zu verlassen. Alle sind bei Verwandten und Bekannten untergekommen, sagt Trumpf.

An das letzte Hochwasser kann sich hier niemand erinnern. Zuletzt liefen die Elbedeiche im Jahr 1909 über und in den Polder hinein. Vermutlich brusthoch würde das Wasser hier stehen, wenn der Deich nicht hielte. «2002 war der Deich hier auch löchrig wie Käse, aber er hat gehalten», sagt Trumpf.

Inzwischen wird ein Raupenfahrzeug, das in den Deich eingesackt war, einfach weiter eingebaut. «Wir wollten es nicht wie einen Stöpsel aus der Badewanne ziehen», sagt Haak. In vier Wochen könne es wieder abgeholt werden.

Unterdessen werden in Magdeburg wichtige Entscheidungen getroffen. Das Krisenmanagement in Stendal soll künftig vom Innenministerium aus geführt werden. Offiziell wird das damit begründet, dass das Ausmaß der Katastrophe so groß ist und soviel Koordinierung mit dem Nachbarland Brandenburg erfordert, dass das Land dies besser selbst übernimmt.

Doch es gab auch Kritik von Helfern in Brandenburg. Sie warfen dem Stendaler Krisenmanagement vor, nicht genügend Helfer einzusetzen und damit brandenburgisches Gebiet zu gefährden.

Immerhin - der Landkreis Stendal hat laut Landrat Carsten Wulfänger (CDU) rund 130 Kilometer Elbdeiche zu verteidigen - und hunderte weitere Dämme zu anderen Flüssen. Wenn hier, in den dünn besiedelten Gebieten, Fahrzeuge unterwegs sind, waren es am Montag Laster mit Sandsäcken und Fahrzeuge von Bundeswehr und Feuerwehr. Das Land ist sehr flach, unterbrochen von Baumgruppen und Büschen. Die Dörfer bestehen nur aus wenigen Häusern.

Überall ist die Hoffnung groß, dass es nicht einen weiteren Dammbruch wie in Fischbeck gibt. Dort liefen etwa 1000 Kubikmeter Wasser je Sekunde über den Deich, sagt Landrat Wulfänger. «Das Wasser hat richtig Tempo drauf», beschreibt er die Lage.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer