Washington (dpa) - Als das FBI vor der Tür stand, hätte Larry Copello ahnen können, dass seine Tage als unbekannter Mittelständler aus einem kalifornischen Örtchen gezählt sind.

Die amerikanischen Bundespolizisten machten dem 64-Jährigen klar, dass er nach einem Bombenalarm auf einem Flughafen in Namibia ins Zentrum einer internationalen Terrorfahndung geraten ist. Eines der Produkte, die er mit gerade einmal drei Kollegen in seiner Garagenfirma fertigt, hat ganz Deutschland in Atem gehalten.

Copello stellt Bombenattrappen her, mit denen Behörden und Fluglinien in aller Welt das Sicherheitspersonal auf die Probe stellen oder Röntgenscanner testen. Kleine Koffer und Taschen gefüllt mit Drähten, Uhren, Metall und was das Gepäck von Flugreisenden sonst noch verdächtig erscheinen lässt. Seit einer dieser Koffer herrenlos vor einem Air-Berlin-Flug von Windhuk nach München entdeckt wurde, steht Copellos Name weltweit in den Schlagzeilen. Er hatte auf den FBI-Fotos das «typische Testsystem» aus seinem Hause erkannt.

«Oh mein Gott», lautete Copellos einziger Kommentar, als er gewahr wurde, wie groß das Internet rund um den Globus über ihn berichtete. Ein ziemlicher Schock für jemanden ohne eigene E-Mail-Adresse. Vor allem seine betagte Schwiegermutter brachte es zu fragwürdigem Ruhm: Laut Copello war die Attrappe vor etwa vier Jahren von der damals 80-Jährigen verdrahtet worden, wie er den verdutzten Reportern erzählte. Eine Oma versetzt Deutschland in Angst, so das Medienecho.

Mit Copello rückte auch die Ortschaft Sonora ins Rampenlicht, die rund 200 Kilometer östlich von San Francisco entfernt liegt. Mit alten Holz- und Ziegelhäusern ist sie nahe der Sierra Nevada ein beliebtes Ausflugsziel. Der berühmte Yosemite-Park liegt eine Autostunde entfernt. Knapp 5000 Einwohner leben dort, Cowboyhüte und Saloons prägen das Stadtbild. Aus dieser Idylle beliefert Copello die US-Regierung und Fluglinien mit Pseudo-Sprengkörpern für rund 500 Dollar das Stück, macht geschätzte 600 000 Dollar Umsatz (439 000 Euro) pro Jahr.

«Hoffentlich kann ich weitermachen», sagt Copello, der seit 37 Jahren im Geschäft ist. Denn der Vorfall sei für ihn «kein guter Weg, öffentliche Aufmerksamkeit zu bekommen». In der Sicherheitsbranche ist Anonymität ein hohes Gut. Deshalb erlaubt er auch keine Fotos von sich, seiner Schwiegermutter oder seinen Produkten. Doch wäre der Kalifornier kein Geschäftsmann, würde er nicht auch seine Chance auf Profit sehen: Für 200 000 Dollar sei ein Foto von der «Oma» zu haben - eine persönliche Führung durch seine Firma inklusive, sagte er.

Wie seine Attrappe nach Namibia gelangt sein könnte, könne er aber auch nicht sagen. Schließlich habe er «Tausende» solcher Systeme verkauft, die nun in der Welt unterwegs seien. Sicherheitsmaßnahmen an Flughäfen und in geschützten Gebäuden würden ständig überprüft. Es sei auch nicht das erste Mal, dass einer dieser Koffer einfach stehengelassen worden sei. «Die Menschen vergessen Dinge nun mal.»

Dass die Bombenattrappe in die Hände von Terroristen gefallen ist, könne er nicht ausschließen. Er selbst habe aber nie wissentlich eine Bombenattrappe an Verdächtige verkauft. «Ich glaube, dass ich niemals von einem Terroristen angesprochen wurde.» Es gebe «strenge Regeln» für den Verkauf, und verdächtige Interessenten melde er stets unmittelbar den Behörden. Doch Besuch vom FBI hatte er vorher noch nie.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer