Berlin (dpa) - Es war ein Kennenlernen in ungewissen Zeiten: Mehrere hochrangige Mitglieder der neuen Regierung von US-Präsident Donald Trump nutzten ihren ersten Europabesuch, um Europa und der Nato die Treue zu schwören. Wer genau hinter den warmen Worten steckt:

MIKE PENCE: Er ist als Trumps Nummer zwei der bislang ranghöchste Vertreter der neuen US-Regierung auf Europabesuch. Der 57-Jährige mit dem stets akkurat getrimmten Silberhaar gilt im Gegensatz zu seinem Chef als Ruhepol, er steht aber auch für strammen Konservatismus. In München schwört er den Verbündeten am Wochenende die Treue und Partnerschaft, betont gemeinsame Werte wie Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Europäische Sorgen rund um die Politik seines Chefs kann Pence aber nicht zerstreuen, viele Fragen bleiben offen. Pence trifft sich am Samstag auch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel - sie sollen sich über den Syrien-Konflikt unterhalten haben.

JAMES MATTIS: Den Spitznamen «Mad Dog» (verrückter Hund) hat der neue US-Verteidigungsminister wegen seiner markigen Sprüche. Markig ist auch sein Auftritt beim Treffen der Nato-Verteidigungsminister in Brüssel am Mittwoch. Zwar bekennt sich Mattis dort zum Bündnis und versichert den Partnern den Beistand der USA. Aber der 66-jährige Vier-Sterne-General droht den Verbündeten auch direkt: Zahlt mehr für die Nato, oder wir zahlen weniger! Mattis gilt eigentlich als Stimme der Vernunft in der Trump-Regierung. Seine Drohung wiederholt er auf der Münchner Sicherheitskonferenz nicht - aber die US-Forderung nach höheren Militärausgaben bekräftigt er.

REX TILLERSON: Er hat keinerlei diplomatische Erfahrung, ist aber nun Chefdiplomat des mächtigsten Landes der Welt - einen Außenminister wie Rex Tillerson (64) hatten die USA noch nie. Dafür verfügt der Texaner als Ex-Chef eines der weltgrößten Ölkonzerne, ExxonMobil, über weltweite Kontakte - unter anderem nach Russland. Bisher weiß aber keiner so recht, wofür der konservative Multimillionär politisch steht. Auch beim Treffen der Außenminister der mächtigsten Industrienationen in Bonn bleibt der scheue Minister in Deckung - pocht aber auch auf amerikanische «Interessen und Werte». Die Spannungen zu Russland bleiben auch nach dem ersten Treffen mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow bestehen.

JOHN KELLY: Der oft als «Falke der Grenzsicherung» beschriebene Ex-Marine ist der erste Nicht-Zivilist im Amt des US-Heimatschutzministers. Der 66-jährige Kelly kümmert sich in der Trump-Regierung um Grenzsicherung und Terrorabwehr. Das Feld bietet politischen Sprengstoff: Kelly zeichnet auch für den weltweit umstrittenen Einreisestopp gegen mehrere muslimische Länder verantwortlich. Gerichte haben den Erlass auf Eis gelegt. In München stellt sich Kelly als einziger Trump-Vertreter den Fragen des Publikums. Und natürlich geht es dabei um das Einreiseverbot: Die geplante Neuversion werde juristisch wasserdicht sein, sagt Kelly.

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