Legehennen in der Voliere eines Hühnerstalls: Dioxin-Tests haben erstmals überhöhte Giftwerte in Hühnern ergeben. (Symbolbild)
Legehennen in der Voliere eines Hühnerstalls: Dioxin-Tests haben erstmals überhöhte Giftwerte in Hühnern ergeben. (Symbolbild)

Legehennen in der Voliere eines Hühnerstalls: Dioxin-Tests haben erstmals überhöhte Giftwerte in Hühnern ergeben. (Symbolbild)

dpa

Legehennen in der Voliere eines Hühnerstalls: Dioxin-Tests haben erstmals überhöhte Giftwerte in Hühnern ergeben. (Symbolbild)

Berlin (dpa) - Der Dioxin-Skandal weitet sich noch immer aus, es gibt jedoch auch Entwarnungen. Behörden stellten auch in Tieren überhöhte Konzentrationen des Gifts fest. In Gewebeproben von Legehennen wurde zu viel Dioxin gemessen - drei Hühner wiesen laut Behörden das 2,5-Fache des Grenzwerts auf.

Tests bei Hähnchen, Puten oder Schweinen zeigten bislang jedoch keine Überschreitungen. International machen immer mehr Länder Front gegen Eier und Fleisch aus Deutschland. Die Zahl der gesperrten Höfe sank derweil von 4700 auf 4000, wie das Bundeslandwirtschaftsministerium mitteilte.

Gegen die Futterfett-Firma Harles und Jentzsch werden immer neue Vorwürfe laut: Der Verdacht des Betrugs und der Steuerhinterziehung liegt nach Angaben des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums nahe. Der Sprecher des Ministeriums, Gert Hahne, sagte, es spreche vieles dafür, dass die Firma ihre Kunden betrogen und technische Mischfettsäure als teures Futterfett verkauft habe. Für eine Tonne Industriefett habe die Firma bloß 500 Euro erlösen können, für eine Tonne Futterfett aber 1000 Euro. Der Verdacht der falschen Rechnungsstellung und somit der Steuerhinterziehung liege nahe. Die Justiz ermittelt sowieso wegen Verstoßes gegen das Lebensmittel- und Futtermittelgesetz. Das Magazin «Der Spiegel» berichtet außerdem, das Unternehmen habe Kontrolleuren zu hohe Dioxin-Werte vorenthalten.

Nach Analysen von Futterfett-Proben von Harles und Jentzsch wurden am Samstag erneut extreme Dioxin-Belastungen bekannt. Nach Angaben des schleswig-holsteinischen Umweltministeriums in Kiel lagen sieben von acht Testwerten über dem Limit. Mindestens eine Probe überschritt den zulässigen Grenzwert fast um das 73-fache. Von 112 Proben waren bis Samstag 38 analysiert - 25 lagen über dem Grenzwert. Bereits am Freitag waren Ergebnisse veröffentlicht worden. Dabei war die Giftdosis im schlimmsten Fall knapp 78-mal so hoch wie erlaubt.

International zeigt der deutsche Skandal Wirkung: Südkorea blockiert bereits seit Mitte vergangener Woche Schweinefleisch aus Deutschland. Britische Supermärkte haben Produkte, die von deutschen Dioxin-Eiern verseucht sein könnten, aus dem Regal genommen. Die meisten womöglich betroffenen Backwaren seien wohl bereits verkauft und gegessen, teilte die zuständige Behörde Food Standards Agency (FSA) mit. Russland verschärfte die Einfuhrkontrollen für deutsches Geflügel und Schweinefleisch. Einen Importstopp schloss die dortige Lebensmittelbehörde nicht aus. Schon am Freitag hatte die Slowakei ein Verkaufsverbot für Eier und Geflügel aus Deutschland verhängt.

Die meisten Deutschen bleiben derweil im Dioxin-Skandal entspannt: Momentan verzichtet nur ein Fünftel der Deutschen (21 Prozent) auf den direkten Verzehr von Eiern. 78 Prozent essen trotz möglicher Gesundheitsrisiken weiter Eier, wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid für die Zeitung «Bild am Sonntag» ergab. Danach kümmern sich ostdeutsche Bürger weniger um die Warnungen der Verbraucherschützer als westdeutsche.

Im Bundeslandwirtschaftsministerium gehen derzeit die ersten Ergebnisse zahlreicher Dioxin-Analysen ein, teilte dessen Sprecher Holger Eichele am Samstag mit. Das Fettgewebe dreier Legehennen aus Nordrhein-Westfalen, die jedoch den Angaben zufolge nie in den Handel kamen, wies erhöhte Dioxin-Gehalte von 4,99 Pikogramm Dioxin je Gramm Fettgewebe auf. Der Grenzwert liegt bei 2 Pikogramm je Gramm (pg/g). Ein Pikogramm ist ein Billionstel Gramm. Legehennen werden unter normalen Umständen unter anderem als Suppenhühner verkauft.

Bei drei betrieblichen Eigenkontrollen von Hähnchen sei der Gehalt von 2 pg/g nicht überschritten worden, betonte Eichele. Für Mastputen gab es drei Ergebnisse für drei Proben, auch hier sei der Höchstgehalt von 2 pg/g eingehalten. Sechs betriebliche Untersuchungen von Schweinefleisch zeigten keine Überschreitungen des Höchstgehalts von 1 pg/g.

Die Zahl der bundesweit gesperrten Höfe sank bis zum Samstagabend von mehr als 4700 auf etwa 4000. Bei den wieder offenen Höfen handle es sich in erster Linie um Milchbetriebe, sagte Eichele. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz geht davon aus, dass Anfang der Woche viele weitere Betriebe wieder geöffnet werden.

Seit bekannt ist, dass Dioxin in deutsches Tierfutter gelangte, haben Behörden in zahlreichen Betrieben vorsorglich Tiere töten lassen oder den Verkauf untersagt. Das Gift gelangte in Futter für Hühner und Schweine, das an hunderte Höfe verkauft wurde. Daher könnten in den nächsten Tage auch weitere positive Befunde folgen.

Allein Niedersachsen rechnet wegen des giftigen Tierfutters mit Zehntausenden dioxinbelasteten Schweinen. Das Land hat vorsorglich insgesamt 3285 Schweine-Betriebe mit einem vorläufigen Handelsverbot belegt. Agrar-Staatssekretär Friedrich-Otto Ripke (CDU) erwartet, dass 95 Prozent dieser Betriebe unbelastet sind. Die verbleibenden 5 Prozent entsprechen jedoch - rechnerisch - 164 Betrieben. Der Fettanteil im Schweinefutter ist deutlich niedriger als im Futter für Legehennen. Die Sperrung sei angeordnet worden, um mögliche Export- Probleme und Sanktionen durch die EU zu verhindern.

Der Vorsitzende des EU-Parlamentsausschusses für Umwelt, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit, Jo Leinen (SPD), verlangte ein Treffen der EU-Fachminister und aller Verantwortlichen, um die Praxis der Kontrollen in allen Mitgliedsländern zu überprüfen und mögliche gesetzliche Lücken zu schließen, sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer