Göring-Eckardt und Kubicki in Berlin
Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen begrüßt FDP-Vize Wolfgang Kubicki vor Sondierungsgesprächen in Berlin. Foto: Michael Kappeler

Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen begrüßt FDP-Vize Wolfgang Kubicki vor Sondierungsgesprächen in Berlin. Foto: Michael Kappeler

dpa

Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen begrüßt FDP-Vize Wolfgang Kubicki vor Sondierungsgesprächen in Berlin. Foto: Michael Kappeler

Berlin (dpa) - Jetzt soll Tempo rein. Abtasten, ranrobben, ausgedehnt debattieren - das können die Jamaika-Unterhändler sich nicht mehr leisten. Bis Freitag soll eine Art Abschlusspapier der Sondierungen her. Das erfordert Kompromisse der immer noch fremdelnden Möchtegern-Partner.

Bei den Grünen folgt dann sogar ein Parteitag, der den Daumen heben soll für die nächste Stufe: offizielle Koalitionsverhandlungen. Oder alles zerplatzen lässt. Schwarze, Gelbe und Grüne setzen deswegen auf ein Speed-Dating in kleinen Runden. Und klarer wird: Am Ende ist Jamaika Chefsache.

Am Montag geht es in der noblen Parlamentarischen Gesellschaft in Berlin Schlag auf Schlag. In einem neuen Format nehmen die sechs Verhandlungsführer von CDU, CSU, FDP und Grünen ein Thema nach dem anderen durch und bitten wechselnde Fachpolitiker dazu. Eine Stunde Kommunen und Wohnen. Eine Stunde Klima, Energie, Umwelt. Eine Stunde Bildung und Forschung und so weiter, heißt es im Plan. An diesem Dienstag soll es - nicht so eng getaktet - weitergehen.

Die Aufgabe: Das Wichtige herausfiltern. Forderungen durchgehen, die in den bisherigen Papieren in eckigen Klammern stehen, über die also keine Einigkeit besteht. Und dann entweder einen Kompromiss finden oder die Frage auf später verschieben, auf die eigentlichen Koalitionsverhandlungen. «Ich nenne das mal Beichstuhl-Verfahren», sagt der FDP-Vorsitzende Christian Lindner. Die Methode kommt in festgefahrenen Verhandlungen öfter zum Einsatz und beschreibt meist, dass die Verhandlungsführung den Streithähnen in Einzelgesprächen die «Beichte» zu ihren Spielräumen abnimmt.

Tatsächlich haben die Jamaikaner in spe inzwischen schon in großen wie kleineren Formaten getagt. Aber die Streitthemen blieben. In kleinen Runden ist der Profilierungsdruck geringer, man kann auch mal vertraulich reden. CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt nennt es denn auch das «einzig richtige Format, wenn man ernsthaft zu einem Ergebnis kommen will». Zum Verfahren gehört auch, dass möglichst wenig nach außen dringen soll über Zugeständnisse und Deals, ehe am Ende alles zusammengezählt und abgeglichen wird.

Kleine Scharmützel am Rande gibt es trotzdem. Da gibt Dobrindt bei Flüchtlingsnachzug und Kohleausstieg wieder mal den Kompromisslosen - und erntet prompt einen Konter der Grünen. «Zerstörerische Querschüsse», wirft ihm Fraktionschef Anton Hofreiter vor, der grüne Verkehrspolitiker Oliver Krischer rät «zu einer Untergrenze an Fachlichkeit» bei Äußerungen zum Klimaschutz. Mit den eigentlichen Gesprächen dürfte das wohl nur noch wenig zu tun haben.