Ein "Bounty"-Nachbau aus dem Jahr 1962, der für MGM-Filmaufnahmen gebaut wurde. (Foto: Archiv)
Ein "Bounty"-Nachbau aus dem Jahr 1962, der für MGM-Filmaufnahmen gebaut wurde. (Foto: Archiv)

Ein "Bounty"-Nachbau aus dem Jahr 1962, der für MGM-Filmaufnahmen gebaut wurde. (Foto: Archiv)

dpa

Ein "Bounty"-Nachbau aus dem Jahr 1962, der für MGM-Filmaufnahmen gebaut wurde. (Foto: Archiv)

London/Bremerhaven (dpa) - Meuterei! Da fällt einem sofort die «Bounty» ein: der diktatorische Kapitän Bligh, Kielholen und die neunschwänzige Katze. Das kann doch unmöglich etwas mit unserer Gegenwart zu tun haben. Doch Historiker sind da anderer Meinung.

«Wenn man das Wort "Meuterei" hört, denkt man sofort an die totale Revolution», erläutert Quintin Colville, Kurator am National Maritime Museum in London, dem größten Seefahrtsmuseum der Welt. Diese Vorstellung sei jedoch falsch. «Es ist ein Arbeitskampf. Es ist einem Streik in der Industrie sehr ähnlich.»

Meutereien auf Schiffen seien früher durchaus häufig gewesen. Meist hätten sich Besatzungsmitglieder ungerecht behandelt gefühlt und ihre Arbeitsbedingungen verbessern wollen. Das sei ihnen oft auch gelungen, sagt Colville. So sei nach der aufsehenerregenden Meuterei auf der «Bounty» 1789 unter anderem die Bezahlung der englischen Seeleute erhöht worden.

Viele Schiffe waren damals schwimmende Särge - von den Fernhandelsfahrten nach Südostasien kehrte im 18. Jahrhundert nur jeder dritte Seemann zurück. Die anderen starben an Krankheiten wie Skorbut durch Vitaminmangel und an Seuchen. Für 250 Besatzungsmitglieder standen auf englischen und holländischen Ostindienfahrern insgesamt zwei Toiletten zur Verfügung.

Dagegen sind die heutigen Bedingungen geradezu paradiesisch. Was sich aber nicht wesentlich verändert haben mag, ist die psychologische Grundkonstellation in dieser kleinen, geschlossenen Welt. «Wenn ich für längere Zeit mit einer Gruppe von Leuten zusammen sein muss, die ich mir nicht ausgesucht habe, dann ist das immer eine unvorhersehbare Situation», meint Colville.

So sieht es auch Dirk Peters, Historiker am Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven. «Der Kapitän ist eigentlich immer der Gott an Bord.» Zu der angeblichen Meuterei auf der «Gorch Fock», dem Segelschulschiff der Bundeswehr, sagt er: «Ich kann mir das sehr gut vorstellen, dass so etwas passiert, dass so etwas eskaliert. Auf den Ausbildungsschiffen herrscht ein besonders strenger Kommandoton.»

Jahrhundertelang ging es nirgendwo so gnadenlos zu wie auf den großen Segelschiffen - auch nicht in der Armee. Wer zwei Mal auf der Wache einschlief, musste sich von der ganzen Besatzung auspeitschen lassen. Die härteste Strafe stand auf Meuterei. Dann hieß es: bei lebendigem Leib über Bord. Manchmal allerdings kam es auch zu einer friedlichen Schlichtung. Vor allem wenn der überwiegende Teil der Mannschaft mitmachte, tat der Kapitän gut daran, einen Kompromiss anzustreben.

Nach Recherchen von Colville hat sich der Konflikt oft durch Kommunikationsfehler hochgeschaukelt. Der Besatzung sei es um ein paar ganz konkrete Dinge gegangen, die Herrschenden hätten das aber gleich als Generalangriff auf ihre Autorität hingestellt. Colville: «Eine Lektion daraus ist: Es waren keine Revolutionen. Es ging einfach um Leute, die sich ungerecht behandelt fühlten.»

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