Berlin (dpa) - Die Landtagswahl in Sachsen wirft ein paar Fragen auf: Woher kommen zum Beispiel all die AfD-Wähler? Und für wen stimmten am Sonntag die Menschen, die bei der Landtagswahl 2009 noch NPD gewählt haben? Das Institut Infratest dimap hat im Auftrag der ARD die Wählerwanderungen ermittelt. Ein Überblick:

AFD (9,7 Prozent): Die erstmals in einem Landesparlament vertretene eurokritische AfD hat vor allem CDU-Wähler für sich gewonnen: 33 000 Sachsen, die 2009 noch für die Union stimmten, wählten in diesem Jahr die AfD. 18 000 AfD-Wähler haben zuvor die FDP gewählt. Zudem stimmten 16 000 Nichtwähler des Jahres 2009 jetzt für die AfD. Auch der Linken (15 000) und der NPD (13 000) jagte die AfD Stimmen ab.

FDP (3,8 Prozent/minus 6,2 Punkte): Die FDP hat ein erneutes Wahldebakel erlebt und ist aus dem sächsischen Landtag geflogen. 20 000 Wähler, die 2009 noch für die Freidemokraten votiert hatten, stimmten in diesem Jahr gar nicht erst ab. Ebenfalls 20 000 gaben ihre Stimme der CDU. Neben den 18 000 früheren FDP-Wählern, die zur AfD wechselten, wählten 12 000 dieses Mal die SPD.

CDU (39,4 Prozent/minus 0,8): Ihr schlechtestes Ergebnis bei einer sächsischen Landtagswahl hat die CDU vor allem der AfD zu verdanken, die 33 000 Stimmen abzog. Außerdem gingen 22 000 CDU-Wähler des Jahres 2009 in dieses Mal nicht mehr zur Wahl. An die Sozialdemokraten verlor die CDU 11 000 Wähler. Zuwachs bekam sie von früheren FDP-Wählern (20 000).

NPD (4,95 Prozent/minus 0,7): Die rechtsextreme NPD hat den Wiedereinzug in den Landtag um Haaresbreite verpasst, und das lag vor allem an der AfD: 13 000 Menschen, die 2009 noch für die Extremisten gestimmt hatten, wählten in diesem Jahr die bürgerliche Rechtspartei. 10 000 vormalige NPD-Wähler gingen gar nicht mehr wählen. Auch an die Sozialdemokraten verlor die NPD 1000 Stimmen.

GRÜNE (5,7 Prozent/minus 0,7): Die Grünen sind neben der AfD die einzige Partei, die unter den Nichtwählern des Jahres 2009 Stimmen für sich gewinnen konnte (1000). Allerdings haben die Grünen vor allem Stimmverluste zu beklagen: 7000 wählten in diesem Jahr SPD, 6000 die Linke, 3000 die AfD und 1000 die NPD.

SPD (12,4 Prozent/plus 2,0): Die Sozialdemokraten gewannen vor allem im bürgerlichen Lager hinzu: 12 000 frühere FDP-Wähler und 11 000 ehemalige Unions-Anhänger. Aber auch 7000 vormalige Grün-Wähler wandten sich der SPD zu. An die AfD gab die SPD 8000 Stimmen ab. 5000 SPD-Sympathisanten von 2009 gingen in diesem Jahr nicht zur Wahl.

LINKE (18,9 Prozent/minus 1,7): Auch der Linken machte vor allem die AfD zu schaffen: 15 000 Wählerstimmen verlor sie an die Eurokritiker. 13 000 vormalige Linke-Wähler stimmten in diesem Jahr gar nicht ab. Gewinnen konnte die Linke hingegen vormalige Grünen-Wähler (6000) sowie ehemalige FDP-Anhänger (5000).

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