Griechische Rentner demonstrieren vor dem Parlament gegen die Sparpolitik. Foto: Alexandros Vlachos/Archiv
Griechische Rentner demonstrieren vor dem Parlament gegen die Sparpolitik. Foto: Alexandros Vlachos/Archiv

Griechische Rentner demonstrieren vor dem Parlament gegen die Sparpolitik. Foto: Alexandros Vlachos/Archiv

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Griechische Rentner demonstrieren vor dem Parlament gegen die Sparpolitik. Foto: Alexandros Vlachos/Archiv

Athen/Brüssel (dpa) - Ein gewichtiger Punkt in den Verhandlungen Griechenlands mit den Geldgebern ist das griechische Rentensystem.

Die Vorstellungen darüber, wie es reformiert werden soll, gehen zum Teil weit auseinander. Athen wirft den Geldgebern vor, die Renten in Griechenland kürzen zu wollen - eine Darstellung, die Brüssel zurückweist. Zum Stand der Dinge:

- Auch heute noch können in Griechenland Mütter, die vom Staat beschäftigt werden, 50 Jahre alt sind und ein noch nicht volljähriges Kind haben, nach 25 Jahren in die Rente gehen.

- Es gibt 13 verschiedene Rentenkassen. Für jede von ihnen gelten andere Möglichkeiten «und Lücken» der Verrentung, sagt der Athener Rentenspezialist und Rechtsanwalt Gorgios Stamatopoulos.

- Nach tiefen Einschnitten haben die Rentner in Griechenland seit 2009 mehr als 30 Prozent ihrer Renten verloren. Heute beträgt die Durchschnittsrente nach Angaben des Sozialministeriums 664,69 Euro.

- 89,4 Prozent der Rentner sind über 61 Jahre alt. 44,8 Prozent der Rentner erhalten Renten, die unter der Armutsgrenze liegen.

- Griechenland will das System stufenweise reformieren. Wer sich nach 1993 versichert hat, wird erst mit 67 Jahren in Rente gehen können.

- Allgemein gilt bereits heute, dass nur diejenigen einen Rentenanspruch haben, die 62 Jahre alt sind, mindestens 40 Jahre lang gearbeitet haben und Beiträge gezahlt haben.

- Die Rentenkassen sind in einem erbärmlichen Zustand. Nach dem Schuldenschnitt im privaten Bereich haben sie Schätzungen zufolge 13 Milliarden Euro ihrer Geldeinlagen verloren, weil sie griechische Staatsanleihen gekauft hatten.

- Das System droht zusammenzubrechen. Auf einen Rentner sollen derzeit nur zwei Arbeitende kommen, bei einigen Kassen soll dieses Verhältnis bereits bei 1:1 liegen. Da die Löhne dramatisch gefallen sind und die Schwarzarbeit enorm zugenommen hat, sind die Einnahmen der Rentenkassen eingebrochen.

- Die EU-Kommission als eines des Mitglieder der Geldgebergruppe wehrt sich gegen den in Athen verbreiteten Eindruck, es solle weitere Rentenkürzungen geben: «Es ist eine große Fehldarstellung zu sagen, dass die (Geldgeber-)Institutionen sich dafür aussprechen oder dafür aussprachen, individuelle Renten zu kürzen.»

- Das griechische Rentensystem sei eines der teuersten in Europa und müsse reformiert werden.

- Die Geldgeber stellen sich ein Auslaufen von Frühverrentungen und eine Anhebung des Rentenalters vor.

- Die Einsparungen sollen etwa ein Prozent der griechischen Wirtschaftsleistung pro Jahr bringen. Griechenland bot 71 Millionen Euro für 2016 an, was einer Einsparung von nur 0,04 Prozent entspricht.

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