Paris (dpa) - Noch vor wenigen Wochen galt François Fillon als großer Favorit für den Posten des künftigen französischen Staatschefs, als sicherer Stichwahl-Sieger gegen die Rechtspopulistin Marine Le Pen.

Doch die Enthüllungen um die Beschäftigung seiner Frau auf Parlamentskosten haben Steine auf den sicher geglaubten Weg in den Élyséepalast gerollt.

Der Sohn eines Notars und einer Historikerin stammt aus dem Département Sarthe im Nordwesten Frankreichs. Bereits mit 27 Jahren zog er als damals jüngster Abgeordneter in die Nationalversammlung ein und bekleidete seit 1993 fünfmal einen Ministerposten.

Unter Präsident Nicolas Sarkozy, der ihn abschätzig als «Mitarbeiter» bezeichnete, war er fünf Jahre Regierungschef (2007-2012). Fillon hat fünf Kinder und ist Automobilsport-Fan. Seine Frau Penelope, die aus Großbritannien stammt, hatte sich lange eher im Hintergrund gehalten.

Völlig überraschend sicherte sich Fillon im November die Präsidentschaftskandidatur des bürgerlichen Lagers. Der 62 Jahre alte Ex-Premierminister blieb im Vorwahlkampf lange blass. Doch dann ließ der «ewige Zweite» die Schwergewichte Nicolas Sarkozy und Alain Juppé hinter sich. Fillon punktete, weil er gesetzter und präsidialer auftrat als Sarkozy, zugleich aber klarere Kante zeigte als Juppé, der sich als Mann der Mitte positionierte.

Fillon war mit einem klaren Profil in den Wahlkampf gegangen: katholisch und liberal. Er will harte Wirtschaftsreformen und setzt zugleich auf traditionelle Werte. Das kommt vor allem bei konservativen Wählern in der Provinz gut an. Doch die hohen Summen, die Penelope Fillon aus der Staatskasse erhielt und der Verdacht der Vetternwirtschaft, belasten das Image des Spar-Apostels. Allerdings stürzte Fillon nicht völlig ab, er liegt in Umfragen weiterhin bei rund 20 Prozent.

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