Berlin (dpa) - Griechenland läuft die Zeit davon. Die Kassen sind leer, das vom Bankrott bedrohte Land braucht frisches Geld. Finanzhilfen in Höhe von 89 Milliarden Euro stehen für März in Aussicht. Zunächst muss Athen aber mit Banken und Versicherungen den geplanten Schuldenschnitt von 50 Prozent unter Dach und Fach bringen. Die Verhandlungen laufen auf Hochtouren - Ausgang ungewiss.

Worum geht es?

Private Gläubiger wie Banken und Versicherer hatten sich auf dem EU-Gipfel Ende Oktober zu einem freiwilligen Schuldenschnitt bereiterklärt. Sie sollen auf 50 Prozent ihrer Forderungen bei griechischen Staatsanleihen verzichten. Das entspricht einem Betrag von 100 Milliarden Euro, um den der griechische Schuldenberg schrumpfen soll. Eine Einigung mit den privaten Gläubigern ist auch Voraussetzung für das zweite 130 Milliarden Euro schwere Griechenland-Hilfspaket.

Wer sind die Akteure?

Der internationale Bankenverband (IIF), dem 450 Banken und Versicherungen angehören, vertritt einen Großteil der privaten Gläubiger. Derzeit verhandelt IIF-Chef Charles Dallara mit der griechischen Regierung über die Details des Forderungsverzichts. Der IIF vertritt allerdings nur einen Teil der Griechenland-Gläubiger. Hedge-Fonds und private Investoren kochen ihr eigenes Süppchen. Wie viele Griechenlandanleihen im Besitz der Fonds und privater Investoren sind, kann nur geschätzt werden. Gesicherte Zahlen gibt es nicht, ebenso wenig wie Verbände als Verhandlungs- und Ansprechpartner für Athen.

Wer hat welche Interessen?

Banken und Versicherungen, die Griechenland-Anleihen haben, drohen bei einer Pleite des Landes Verluste, auch wenn sie einen Teil der Papiere in ihren Bilanzen bereits abgeschrieben haben. Für manche Hedge-Fonds könnte eine Insolvenz des Landes dagegen lukrativ sein. Einige haben sich mit Versicherungen gegen einen Kreditausfall (CDS) eingedeckt, obwohl sie selbst gar keine griechischen Anleihen halten. Zahlen würden die Versicherer trotzdem, allerdings nur, wenn der Staat wirklich pleitegeht. Andere Fonds und wohl auch private Anleger wetten genau auf das Gegenteil. Sie hoffen darauf, dass eine Pleite verhindert wird, wollen sich aber an einem freiwilligen Schuldenschnitt nicht beteiligen. Gibt es eine Einigung, könnten sie ihre alten Anleihen behalten und auf Rückzahlung pochen.

Worum geht es bei den Verhandlungen?

Im Fokus stehen derzeit die Konditionen, zu denen der Tausch alter gegen neue Griechenlandanleihen am Ende über die Bühne gehen soll. Es geht um Zinssätze und rechtliche Fragen. Immer wieder machen auch Spekulationen die Runde, der Forderungsverzicht von 50 Prozent werde angesichts des immensen griechischen Schuldenbergs nicht ausreichen. Ob sich Banken und Versicherungen auf einen höheren Schuldenschnitt einlassen würden, ist allerdings fraglich. Sparkassenpräsident Heinrich Haasis hält dies für sein Haus für nicht vorstellbar.

Was passiert, wenn die Investoren nicht mitmachen ?

Griechenland hat bereits vor neuen Finanzlöchern gewarnt, falls nicht alle Investoren beim Schuldenerlass mitziehen. Werden die angepeilten 100 Milliarden Euro verfehlt, wären zusätzliche Hilfen für Athen nötig. Das zweite Paket in Höhe von 130 Milliarden Euro müsste neu verhandelt werde. Im schlimmsten Fall droht ein Staatsbankrott mit unabsehbaren Folgen für Griechenland und die gesamte Währungsunion.

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