Sven Hannawald
Skispringer Sven Hannawald auf dem Höhepunkt seiner sportlichen Karriere. Foto: Frank Leonhardt/Archiv

Skispringer Sven Hannawald auf dem Höhepunkt seiner sportlichen Karriere. Foto: Frank Leonhardt/Archiv

dpa

Skispringer Sven Hannawald auf dem Höhepunkt seiner sportlichen Karriere. Foto: Frank Leonhardt/Archiv

Berlin (dpa) - Die Liste prominenter Namen ist lang: Ex-SPD-Chef Matthias Platzeck, Schauspielerin Renée Zellweger, Fernsehkoch Tim Mälzer, Skispringer Sven Hannawald, Profifußballer Sebastian Deisler und auch die Medienwissenschaftlerin Miriam Meckel. Ihre Gemeinsamkeit: Wegen völliger Erschöpfung zogen sie die Reißleine.

Ist Burn-out eine Promi-Krankheit?

Nein. Es kann jeden treffen. Die Krankenkassen sprechen von einer Volkskrankheit. 41 Prozent der Frühverrentungen haben psychische Erkrankungen als Ursache. Diese nahmen laut Krankenkasse DAK-Gesundheit 2012 um vier Prozent zu, rückten erstmals auf Platz zwei aller Krankschreibungen hinter Muskel- und Skeletterkrankungen.

Warum klagen immer mehr Menschen über Psychostress?

Die globalisierte Arbeitswelt, die internationalen Verflechtungen der Konzerne, der Konkurrenzdruck: All das zusammen erhöht die Anforderungen an die Beschäftigten. Ihre Arbeitstage werden immer länger, auch an den Wochenenden sitzen sie im Büro oder zu Hause am Schreibtisch, überrollt von einer Lawine von E-Mails. In dieser Tretmühle sind viele dann ausgelaugt, überfordert, verzweifelt, kraftlos. Der Akku ist - salopp gesprochen - leer.

Ist jede psychische Erkrankung jobbedingt?

Nein. Denn der Umgang mit Stress im Job ist höchst verschieden. Manche sind stressresistenter als andere, die dann auch früher an ihr Limit kommen. Depressionen können ihre Ursache auch im privaten Umfeld haben, etwa eine Ehescheidung oder der Tod eines Angehörigen. Hoher Arbeitsdruck, monotone Tätigkeiten und Unzufriedenheit können aber diese seelischen Leiden verschärfen.

Was belastet die Menschen am meisten?

Am häufigsten belastet fühlen sich die Beschäftigten - 58 Prozent - nach dem neuen «Stressreport Deutschland 2012» der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) durch Multitasking, also das Sich-Kümmern-Müssen um mehrere Aufgaben gleichzeitig. Termin- und Leistungsdruck sowie ständige Unterbrechungen nerven die Arbeitnehmer ebenfalls erheblich. Laut BAuA hat sich der Anteil der von diesen Stressfaktoren betroffenen Beschäftigten auf dem relativ hohen Niveau des vergangenen Jahrzehnts stabilisiert. Immerhin 43 Prozent klagen aber über wachsenden Stress innerhalb der vergangenen zwei Jahre.

Macht Arbeit generell krank?

Nein. Arbeit trägt nach Einschätzung der BAuA-Experten grundsätzlich zur Zufriedenheit bei: Die psychische Gesundheit Erwerbstätiger ist meist besser als die von Arbeitslosen. Kritisch wirken sich jedoch andauernder Zeitdruck und fehlende Erholungsmöglichkeiten aus; positiv Teamarbeit und die Möglichkeit, Arbeit selbst planen und einteilen zu können. Laut Stressreport stehen Ingenieure, Chemiker, Physiker und Mathematiker am häufigsten unter starkem Termin- und Leistungsdruck. Wegen des durchweg größeren Handlungsspielraums leiden sie aber seltener unter gesundheitlichen Beschwerden.

Was ist mit den Chefs?

Die stehen meist selbst unter Dauerstress, und zwar umso mehr, je größer die Zahl der Mitarbeiter ist, für die sie verantwortlich sind. Das macht es Führungskräften schwer, «gesundheitsförderlich zu führen», heißt es im Report. Immerhin 59 Prozent der Beschäftigten geben an, von ihren Vorgesetzen häufig Unterstützung zu erhalten.

Sind Psycho-Probleme eine Modekrankheit?

Manche Experten bejahen das, zumal Burnout kein offizielles Krankheitsbild ist. Die Arbeitgeber sehen als Grund für immer mehr Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen die wachsende Zahl neuer Diagnosen für seelische Leiden. Damit würden Alltagsprobleme zu seelischen Störungen umdefiniert, Menschen mit bloßen Beeinträchtigungen der Befindlichkeit zu Patienten gemacht.

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