Rom (dpa) - Für die Katholische Kirche markiert der 1. März 2013 den Beginn einer neuen Ära. Ein Nachfolger für Benedikt XVI. muss her, und der zurückgetretene Deutsche übernimmt eine neue Rolle. Wie geht es weiter?

Wer wählt den neuen Papst?

Das sogenannte Konklave. Dem Gremium gehören alle Kardinäle der römisch-katholischen Kirche an, die vor Beginn der Sedisvakanz («leerer Stuhl Petri») ihr 80. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Im konkreten Fall wären das 117 Purpur-Träger. Alle werden jedoch nicht kommen. Der schottische Kardinal Keith O'Brien ist nach Vorwürfen «unangemessenen» Verhaltens gegenüber jungen Priestern zurückgetreten. Eine indonesischer Kardinal hat angekündigt, aus gesundheitlichen Gründen nicht teilzunehmen. Wieviele Geistliche also den neuen Papst in der berühmten Sixtinischen Kapelle wählen, steht nicht genau fest.

Wann beginnt das Konklave?

Noch gibt es keinen Termin. Nach dem Rücktritt von Benedikt XVI. sollen die Kardinäle am Freitag in einem Brief aufgefordert werden, sich in Rom zu versammeln. Laut Vatikan soll sich das Kardinalskollegium dann Anfang kommender Woche treffen, um die Wahl vorzubereiten. Eigentlich muss ein Konklave zwischen dem 15. und 20. Tag nach Beginn der Sedisvakanz starten. Benedikt legte noch kurz vor seinem in der Neuzeit beispiellosen Rücktritt fest, dass die Wahl seines Nachfolgers auch früher beginnen kann. Wann am Ende der weiße Rauch aufsteigt und ein neuer Papst bestimmt ist, kann niemand sagen.

Was macht Benedikt nach dem Rücktritt?

Zunächst lebt er für voraussichtlich zwei Monate in der päpstlichen Residenz Castel Gandolfo vor den Toren Roms. Danach zieht er in ein das Kloster «Mater Ecclesiae» in den Vatikanischen Gärten, das für ihn derzeit als Altersruhesitz hergerichtet wird. Es ist nicht weit von den Gemächern im Apostolischen Palast entfernt, in denen er bisher lebte.

Mit wem wird Benedikt dort zusammenleben?

Begleitet wird Benedikt von seinem Privatsekretär Georg Gänswein und vier Schwestern der katholischen Laienvereinigung «Memores Domini». Die Frauen kümmern sich jetzt um seinen Haushalt und werden dies weiterhin tun.

Wie nennt man ihn dann?

Benedikt XVI. nennt sich künftig «Emeritierter Papst» oder «Römischer emeritierter Pontifex». Zudem darf Joseph Ratzinger weiterhin auch mit der Anrede «Eure Heiligkeit» angesprochen werden. Benedikt hat das selbst so entschieden. Seine Kleidung wird nicht mehr so prachtvoll wie bisher sein. Er will einen einfachen Talar tragen - in der Papstfarbe Weiß.

Wird er nun so eine Art Parallelpapst, der hinter den Kulissen weiter Strippen zieht?

Benedikt hat mehrfach betont, dass er seinen Lebensabend vollkommen zurückgezogen verbringen und dem Gebet und der Meditation widmen will. «Ich verlasse nicht das Kreuz, ich bleibe auf eine neue Weise beim gekreuzigten Herrn», sagt er. Er gehört auch keinen Gremien der Kurie mehr an. An seinem letzten Arbeitstag am Donnerstag versprach er seinem Nachfolger «bedingungslose Hochachtung und meinen Gehorsam». Wie die Existenz zweier Päpste - eines früheren und eines aktuellen - im Vatikan freilich funktioniert, muss man sehen. Nicht auszuschließen ist etwa, das der neue Pontifex den alten bei bestimmten Themen Fragen um Rat fragt.

Ist er in Castel Gandolfo und im Kloster sicher?

Als Papst gehörte Benedikt XVI. zu den am besten bewachten Menschen der Welt. Die Schweizer Garde ist nach seinem Rücktritt jedoch nicht mehr für ihn zuständig. Diese Aufgabe übernimmt die Gendarmerie des Vatikans. Der Ex-Papst dürfte also auch in Zukunft sicher sein.

Und wovon lebt der Ex-Papst?

Kost und Logis übernimmt der Vatikan. Benedikt bezieht auch Tantiemen aus Büchern und seine Pension als früherer Professor und Erzbischof in Deutschland. Er setzt das Geld teils für wohltätige Zwecke ein.

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