'Schuldenschnitt'
Auch die Einigung auf einen Schuldenschnitt für Athen bedeutet nicht das Ende der europäischen Schuldenkrise. Foto: Patrick Pleul

Auch die Einigung auf einen Schuldenschnitt für Athen bedeutet nicht das Ende der europäischen Schuldenkrise. Foto: Patrick Pleul

dpa

Auch die Einigung auf einen Schuldenschnitt für Athen bedeutet nicht das Ende der europäischen Schuldenkrise. Foto: Patrick Pleul

Frankfurt/Main (dpa) - Die Verhandlungen über eine freiwilligen Schuldenschnitt für Griechenland scheinen auf einem guten Weg. Doch selbst, wenn sich Athen mit dem Internationalen Bankenverband IIF einigt, sind längst nicht alle Probleme gelöst.

Worum geht es bei dem Schuldenschnitt?

Private Gläubiger - Banken, Versicherungen und Hedge-Fonds - sollen bestehende Anleihen freiwillig in neue tauschen, dabei auf Teile ihrer Forderungen verzichten und auch niedrigere Zinsen in Kauf nehmen. Die Beteiligung privater Investoren hatte der Euro-Gipfel im Juli 2011 auf Druck der Bundesregierung beschlossen. Derzeit scheint alles darauf hinzudeuten, dass Investoren auf mehr Geld verzichten müssen als ursprünglich im Gespräch war. Statt eines Schuldenschnitts von 50 Prozent könnte es auf fast 70 Prozent hinauslaufen.

Wie bewerten Ratingagenturen den freiwilligen Verzicht?

Für die Bonitätsprüfer spielt es keine Rolle, ob Investoren freiwillig verzichten oder unfreiwillig. Bekommen Gläubiger ihr Geld nicht vollständig und fristgerecht zurück, droht den Papieren der Stempel «default», also Zahlungsausfall. «Wer Anleihen mit einer fünfjährigen Laufzeit kauft und dann nicht pünktlich sein Geld bekommt, sondern die Anleihen in neue Papiere mit 30-jähriger Laufzeit tauschen muss, für den liegt ein Zahlungsausfall vor, weil das ursprüngliche Zahlungsversprechen nicht eingehalten wurde», hatte der Deutschland-Chef von Standard & Poor's (S&P), Torsten Hinrichs, schon im Sommer erklärt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte auch aus diesem Grund eindringlich vor einer Privatbeteiligung gewarnt.

Was bedeutet ein Zahlungsausfall für Griechenland ?

Das Label teilweiser Zahlungsausfall («selective default») hätte für das Euro-Krisenland zunächst einmal keine unmittelbaren Folgen. Athen kann sich derzeit ohnehin nicht mehr über den Kapitalmarkt refinanzieren. Das Land ist auf milliardenschwere Finanzhilfen von EU-Partnerländern und Internationalem Währungsfonds (IWF) angewiesen.

Was bedeutet ein Zahlungsausfall für die Investoren?

Das hängt unter anderem davon ab, wann die mit dem Stempel «default» versehenen Papiere fällig werden. Bei Griechenland-Anleihen mit einer langen Laufzeit könnten Gläubiger die Turbulenzen aussitzen und hoffen, dass das Land irgendwann an den Kapitalmarkt zurückkehren kann. Deutsche Banken und Versicherungen haben ohnehin bereits einen Großteil der Papiere in ihren Bilanzen abgeschrieben.

Wieso sollen sich Investoren überhaupt freiwillig beteiligen?

Die freiwillige Beteiligung ist eine wichtige Voraussetzung für das zweite 130 Milliarden Euro schwere Hilfsprogramm für Griechenland.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass es klappt?

Beobachter bezweifeln, dass sich genug Privatgläubiger beteiligen. Denn selbst bei einer Einigung mit dem IIF hätten die einzelnen Investoren bis zu sechs Wochen Zeit, um zu erklären, ob sie überhaupt am Schuldenschnitt teilnehmen. Zahlreiche Hedge-Fonds haben bereits Widerstand angekündigt.

Ist Griechenland pleite, wenn nicht genug Gläubiger mitziehen?

Nicht zwangsläufig. Die sogenannte Troika - EZB, IWF und EU - könnte erklären, die Beteiligung privater Gläubiger reiche aus, egal wie hoch sie tatsächlich ausfällt. Damit könnte Griechenland weitere Hilfsmilliarden erhalten. Werden die angepeilten 100 Milliarden Euro Gläubigerverzicht verfehlt, kämen auf den IWF und die europäischen Partnerländer - darunter auch Deutschland - aber wohl höhere Belastungen zu. Im Rahmen des ersten Hilfspakets hat Berlin dem Land bisher Kredite von 15,15 Milliarden Euro gewährt und dafür rund 380 Millionen Euro Zinsen erhalten. Erst wenn die öffentlichen Geldgeber den Geldhahn zudrehen, droht Griechenland tatsächlich die Pleite.

Kann Griechenland die Gläubiger zu einem Verzicht zwingen?

Die griechische Regierung hat damit gedroht, private Gläubiger per Gesetz zum Forderungsverzicht zu zwingen. Mehr als 90 Prozent der Anleihen wurden einer Studie der Schweizer Großbank UBS zufolge nach griechischem Recht begeben. Deren Zahlungsbedingungen könnten rückwirkend geändert werden. Hedge-Fonds haben bereits angekündigt, in diesem Fall vor Gericht zu ziehen. Größter Gläubiger Griechenlands ist die EZB. Sie hat griechische Staatsanleihen als Sicherheit für Bankkredite akzeptiert und selbst auf dem Sekundärmarkt Papiere des Landes gekauft. Die Währungshüter hatten aus rechtlichen Gründen angekündigt, sich nicht an dem freiwilligen Schnitt zu beteiligen.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer