Tübingen (dpa) - Das Attentat auf die US-Kongressabgeordnete Gabrielle Giffords mit 6 Toten und 14 Verletzten wird die politische Stimmung in den USA nach Expertenmeinung nicht nachhaltig prägen.

«Amerika wird schnell wieder zur Tagesordnung übergehen», sagte der Tübinger Professor für Nordamerikanische Geschichte, Georg Schild, am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa.

Von einer Einschränkung des amerikanischen Waffenrechts sei nicht auszugehen. «In den USA gibt es, was Waffen betrifft, eine andere Argumentationslogik. Amerikaner wollen sich selber verteidigen können. Amerikaner denken eher: Wenn jeder auf dem Parkplatz eine Waffe gehabt hätte, hätte jeder auf den Attentäter schießen können und es wären nicht sechs Menschen ums Leben gekommen.»

Die politische Landschaft in den USA kenne weniger Tabus als in Deutschland, erläuterte der Experte. Politische Fronten könnten viel leichter in Gewalt münden als hierzulande. Ein Beispiel dafür sei die heftige Abtreibungsdiskussion in den USA, die mit Morden an Abtreibungsärzten einen traurigen Höhepunkt erreicht habe.

Die Tea-Party-Bewegung mit ihrer Leitfigur Sarah Palin habe ein «Klima des Hasses» erzeugt, konstatierte Schild. Auch andere Radikalkonservative hätten in letzter Zeit Hasstiraden gegen die Demokraten und Präsident Barack Obama gerichtet. Die polemische Diskussion finde im Internet, aber auch im US-Fernsehen statt.

«Zwischen konservativen Moderatoren bestand ein Wettbewerb, wer mit den Beschimpfungen am weitesten gehen kann», beschrieb Schild die Debatte in den letzten Monaten. «Es ging sogar soweit, dass der Talkshow-Moderator Glenn Beck Obama als Rassisten mit tiefem Hass auf weiße Menschen bezeichnet hat.»

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