Rafael Correa
Rafael Correa war in Ecuador zehn Jahre lang an der Macht. Foto: Eduardo Flores

Rafael Correa war in Ecuador zehn Jahre lang an der Macht. Foto: Eduardo Flores

dpa

Rafael Correa war in Ecuador zehn Jahre lang an der Macht. Foto: Eduardo Flores

Quito (dpa) - Über Rafael Correa zu sprechen, ist ein heikles Unterfangen in Ecuador. Schnell können Familienfeste wegen hitziger Debatten aus dem Ruder laufen, schnell sind «Links-Rechts»-Schablonen zur Hand. Unbestritten ist, dass der Ökonom das Äquator-Land wie kaum ein anderer Präsident verändert hat. Noch nie seit der Unabhängigkeit von Spanien und der Gründung der Republik 1830 hat ein Präsident so lange Ecuador regiert - und es dank der staatlichen Ausbeutung von Ölvorkommen so einer Modernisierung und Armutsbekämpfung unterzogen. 2005 bereits kurzzeitig Wirtschaftsminister, schlug Correa 2006 bei der Wahl den Bananen-Baron Álvaro Noboa. Zehn Jahre regierte er das Land. Trotz einer Million Unterschriften verzichtete er auf eine erneute Kandidatur - anders als ein Evo Morales in Bolivien wollte er nicht in den Ruf geraten, sich an das Amt zu klammern. Wichtig sei nicht die Person, sondern dass seine «Bürger-Revolution» wiedergewählt wird. Für die Wahl am Sonntag hatte er eine klare Wahlempfehlung für seinen einstigen Vizepräsidenten Lenin Voltaire Moreno ausgegeben. Anders als Moreno ist Correa ein «Volkstribun», er versuchte den Einfluss kritischer privater Medien zu beschränken und nutzt wie Donald Trump Twitter als bevorzugten Kommunikationskanal - satte 3,02 Millionen Nutzer folgen ihm. Ständig ist der 53-Jährige unterwegs, um sich Sorgen der Menschen anzuhören. Verheiratet mit einer Belgierin, promoviert in den USA, hat er selbstbewusst Akzente gesetzt. Dies reichte bis zum spektakulären Asyl 2012 für Wikileaks-Gründer Julian Assange in der Botschaft in London. Als aber die Enthüllungsplattform einseitig Hillary Clinton im US-Wahlkampf schadete, ließ er Assange den Internetzugang kappen. Er sieht seinen Kurs als den einzig wahren an, reagiert allergisch auf Kritik, ein Dickkopf. Aber längst nicht so ideologisch wie einst ein Präsident Hugo Chávez in Venezuela. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf stieg seit 2007 jährlich um immerhin 1,5 Prozent, hat das Center for Economic and Policy Research ermittelt. Zuletzt lag es bei rund 6200 Dollar im Jahr. Sozialausgaben wurden fast verdoppelt, die Armutsquote konnte stark reduziert werden. Die öffentlichen Investitionen etwa in Straßen und Kraftwerke wurden massiv erhöht. Aber auch der Katstrophenschutz in der Erdbebengefährdeten Region und die Gesundheitsversorgung wurden verbessert. Ein Stipendiensystem ermöglicht auch Kindern aus armen Familien ein Medizinstudium etwa in Kiew - wer zurückkommt nach Ecuador, braucht nichts zurückzuzahlen. Aber zuletzt kam seine Politik der staatlichen Ressourcenausbeutung zur Entwicklung des Landes und zur Armutsbekämpfung an Grenzen: Der Ölpreis fiel, Luxussteuern etwa auf importierte Autos fanden bei der Oberschicht als Maßnahme zur Erschließung neuer Einnahmen wenig Gegenliebe. Und die Ölförderung im artenreichen Yasuní-Nationalpark im Amazonasgebiet brachte harsche Kritik. Einer Delegation des Deutschen Bundestags wurde die Reise in die Region verweigert. Hier wurden indigene Gruppen vertrieben und Flüsse wurden kontaminiert. Nach anfangs 80 Prozent sank die Zustimmung zuletzt auf 50 Prozent. Correa spricht von einer «gewonnen Dekade». «Das war ein Jahrzehnt von erfüllten Träumen und außergewöhnlichen Erfolgen in den Bereichen Wirtschaft und Soziales.» Er wird sich sicher nicht zur Ruhe setzen, vielleicht tritt er bei der nächsten Wahl wieder an. Erst einmal setzt er darauf, dass sein «Erbe» in Ecuador fortgeführt wird.

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