Kevin Vickers
Kevin Vickers erschoss den Attentäter. Foto: Matthew Cavanaugh/Archiv

Kevin Vickers erschoss den Attentäter. Foto: Matthew Cavanaugh/Archiv

dpa

Kevin Vickers erschoss den Attentäter. Foto: Matthew Cavanaugh/Archiv

Ottawa (dpa) - Normalerweise trägt er Schwert und Keule. Selbst einige der Leute, die er beschützen soll, lächeln über sein Amt: Kevin Vickers ist der «Sergeant at Arms» im kanadischen Parlament.

Eine Funktion, die vom «Mutterland» Großbritannien übernommen wurde und über dessen Abschaffung immer wieder diskutiert wird. Beim Angriff auf das Parlament in Ottawa bewies der Ex-Polizist, dass er auch anders kann. Vickers griff zur Waffe und erschoss den Angreifer, um Schlimmeres zu verhindern. Nicht nur in Kanada ist er jetzt ein Held. Die Abgeordnete feiern ihn mit Beifall - Premier Stephen Harper dankt ihm persönlich.

«Seine Rolle mag rein zeremoniell wirken, wie ein Anachronismus in unserer Zeit», sagte Elizabeth May, Parteichefin der Grünen, der «Globe and Mail». «Aber er ist ständig wachsam und denkt mit einer 360-Grad-Antenne an die Sicherheit.» Dabei sieht es in der Tat seltsam aus, wenn Vickers (58) als Sicherheitschef, das Schwert an der Seite, das gewaltige Zepter des Parlaments zu Sitzungsbeginn in das Abgeordnetenhaus trägt und in eine extra angefertigte Halterung legt. Liegt es da, tagt das Parlament offiziell.

Doch Vickers hat fast drei Jahrzehnte bei der Royal Canadian Mounted Police gearbeitet, die viele als beste Polizei der Welt bezeichnen. Er hat Morde geklärt, Streitereien geschlichtet und vor dem Parlament für den Kampf gegen Teenagerprostitution geworben. 2005 wurde er Sicherheitschef im Parlament. «Ich nenne ihn den Superbullen», sagte sein Bruder jetzt kanadischen Medien. «Es war in all den Jahren so weit ich weiß das erste Mal, dass er seine Waffe abgefeuert hat.»

Der Sicherheitschef habe das Parlament immer offen halten wollen, berichtet «Globalnews». Einmal habe Vickers eine Pressekonferenz im Gebäude verweigert, weil sonst eine Schülergruppe aus Saskatchewan vor verschlossener Tür gestanden hätte: «Die Kinder haben ein Jahr lang jeden Penny gespart, jetzt müssen sie auch ihre Führung bekommen», habe er gesagt. Dennoch habe er nie die Sicherheit vernachlässigt. Oder wie Grünen-Chefin May sagte: «Wenn man jemanden um sich haben möchte, wenn es Ärger gibt, ist es Kevin Vickers.» John Vickers meint über seinen Bruder: «Ich könnte nicht stolzer auf ihn sein.»

Dabei verlief das bisherige Leben des neuen Helden eher unspektakulär. Geboren wurde er in Chatham (New Brunswick), der Vater betrieb eine Milchfarm, die Mutter war Krankenschwester. Vor 29 Jahren entschied er sich für den Polizeidienst. Erst schob er zehn Jahre Dienst in der Provinz Alberta, dann zehn Jahre in den Nordwest-Territorien. 2003 wurde er zum Direktor der National Contract Policing Branch ernannt, 2005 zum Sicherheitschef im Parlament. Für seine Tätigkeiten für die Gemeinschaft wurde er mehrfach ausgezeichnet - unter anderem engagierte er sich im Kampf gegen die Prostitution Jugendlicher.

Justizminister Peter MacKay meinte: «Ich danke Gott für Sergeant at Arms Kevin Vickers und unsere Sicherheitskräfte. Wahre Helden.» Minister Julian Fantino lobte: «Ich bin in Sicherheit - und Sergeant at Arms Kevin Vickers und unseren Sicherheitskräften für ihren selbstlosen Einsatz zu unserem Schutz zutiefst dankbar.»

Auch der Abgeordnete Craig Scott stimmt in den Lobgesang ein: «Die Abgeordneten und ihre Mitarbeiter verdanken ihre Sicherheit, ja ihr Leben Sergeant at Arms Kevin Vickers, der den Angreifer direkt vor dem Sitzungssaal niedergeschossen hat.»

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