Silivri
Der «Campus der Strafvollzugsanstalten Silivri», wie der Bau offiziell heißt, besteht aus zehn Haftanstalten. Foto: Türkisches Justizministerium

Der «Campus der Strafvollzugsanstalten Silivri», wie der Bau offiziell heißt, besteht aus zehn Haftanstalten. Foto: Türkisches Justizministerium

dpa

Der «Campus der Strafvollzugsanstalten Silivri», wie der Bau offiziell heißt, besteht aus zehn Haftanstalten. Foto: Türkisches Justizministerium

Istanbul (dpa) - «Ein Internierungslager, um Erdogan-Gegner zusammenzufassen», nannte der regierungskritische Journalist Can Dündar den Gefängniskomplex von Silivri.

Dündar, der inzwischen in Deutschland lebt, saß vergangenes Jahr unter anderem wegen Terrorvorwürfen rund drei Monate in Silivri in Untersuchungshaft. Nach der Entlassung veröffentlichte er ein Buch über die Zeit. Nun wurde auch der «Welt»-Korrespondent Deniz Yücel in das berüchtigte Gefängnis verlegt, rund 80 Kilometer westlich von Istanbul.

Der «Campus der Strafvollzugsanstalten Silivri», wie der Bau offiziell heißt, besteht aus zehn Haftanstalten. Auch Frauen sind in dem Komplex untergebracht. Angaben über die Kapazität schwanken zwischen 10 000 und 13 000 Insassen. Es gibt sowohl Mehrpersonen- als auch Einzelzellen. Der Bau wurde unter der islamisch-konservativen AKP-Regierung begonnen und 2008 eröffnet. Regierungsnahe Medien preisen das Gefängnis als «modern».

Tatsächlich sitzen viele Regierungskritiker in Silivri ein: Etwa sind zehn Mitarbeiter der Zeitung «Cumhuriyet», die Ende vergangenen Jahres verhaftet wurden, in Silivri. Außerdem der bekannte Investigativjournalist Ahmet Sik, der ehemalige Chefredakteur der inzwischen geschlossenen Zeitung «Taraf» Ahmet Altan, dessen Bruder - der Wirtschaftsprofessor Mehmet Altan - sowie die Abgeordnete der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP, Meral Danis Bestas.

Dündar, ehemals Chefredakteur der «Cumhuriyet», wurde lange allein in einer Dreierzelle untergebracht. Seine Zelle beschreibt er als karg, aber geräumig. «Es ist einfach aufzulisten, was das war: Ein weißer Kunststofftisch, ein weißer Plastikstuhl, drei eiserne Bettgestelle, drei eiserne Schränke, eine Küchenspüle, darüber ein Stahlschrank. Das war alles.» Besuch habe er «unter Aufsicht des Wärters» nur von nahen Verwandten, Anwälten und Abgeordneten empfangen dürfen. Bücher habe er sich in der Gefängnisbibliothek leihen können, Papier und Stift seien ihm jedoch abgenommen worden. Einen Fernseher habe er auf Wunsch bekommen.

Als besonders belastend beschreibt Dündar jedoch die Einzelhaft. Kontakt zu Menschen sei ihm außerhalb der Besuchszeiten untersagt gewesen. Ein Wort mit dem Vollzugsbeamten sei verboten gewesen, eine zufällige Begegnung mit anderen Inhaftierten sei verhindert worden. «Man wartet darauf, dass du wie ein in ein Goldfischglas gesperrter Ozeanfisch um dich selbst kreist und im Rauch deiner Gedanken erstickst», schreibt Dündar.

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