Berlin (dpa) - Bernd Lucke war zwei Jahre lang das Gesicht der Alternative für Deutschland (AfD). Der 52-Jährige hat die konservative Euroskeptiker-Partei 2013 mitbegründet. Emotionale Ausbrüche und mitreißende Parteitagsreden sind seine Sache nicht. Für ihn zählen vor allem Leistung, Fleiß und Disziplin.

Welche Hautfarbe oder Religion ein Mensch hat, ist für ihn bei der Beurteilung seiner Mitmenschen dagegen irrelevant. Darin unterscheidet er sich von vielen Mitgliedern der Partei, die er erst zum Erfolg geführt und jetzt enttäuscht verlassen hat. Bernd Lucke mag keine Bierzeltreden, er mag nicht einmal Bier.

Dass er den politischen Umschwung in der von ihm gegründeten Partei lange nicht sehen wollte, war wohl etwas naiv - das sieht er inzwischen auch selbst ein. Lucke ist Abgeordneter des Europaparlaments, bisher für die AfD, demnächst dann parteilos.

Sollte er sich nicht zur Gründung einer neuen Partei entschließen, hätte der Vater von fünf Kindern zumindest beruflich eine bequeme Rückfallposition. Für seine Tätigkeit als Europaparlamentarier wurde der Professor für Makroökonomie von der Universität Hamburg 2014 beurlaubt.

Seine ersten Erfahrungen in der Parteiarbeit hat Lucke in der CDU gesammelt, deren Mitglied er 33 Jahre lang war. Dass der fromme Protestant der CDU schließlich den Rücken kehrte, war eine Reaktion auf den Schwenk zur modernen Mitte, den die Partei unter Bundeskanzlerin Angela Merkel vollzogen hat. Außerdem ist Lucke seit Jahren Gegner der Eurorettungspolitik. Er wirbt schon seit 2013 für ein «geordnetes Ausscheiden Griechenlands aus der Währungsunion».

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